Tagebuch #106

Grosse Klimademo in Bern

Letztes Wochenende war die Klima-Demo in Bern. 100 000 kamen nach Bern. Ein wunderbares Ereignis. Eigentlich ein Volksfest. Farbig, Jung und Alt, Musiker, ganze Familien, Musikgruppen, alle stets bereit die bekannten Klima-Demos-Rituale zu singen oder zu schreien. Die meisten mit Slogans, bildlich und schriftlich. Dies war eine der grössten Demo in Bern, z. T. mit Extrazügen aus der Schweiz angereist. Lange nicht alle hatten Platz auf dem Bundesplatz. Einige blieben bei der Reitschule auf der Schützenmatt. Dort begann auch die Demo. Es ist das Fest der Jugend, aber die Älteren einschliessend. Kamila und ich waren nahe am Podium auf dem Bundesplatz. Wir waren stolz, wie Julian und seine Kollegin die Demo geschickt moderierten. Eine grosse Leistung. Manuel, sein Bruder, jetzt an der Filmschule in Zürich studierend, filmte Julian vom Aufstehen, Morgenessen, auf dem Velo an die Demo, an der Demo selbst.

Selbst früher in verschiedensten politischen Projekten beteiligt, bin ich fasziniert, wie die junge Generation mit viel fortschrittlicheren Methoden politisieren. Schon wir hatten bei der Begründung der grünen Partei im Kanton Bern, bei der Freien Liste den Slogan gehabt: „Wir stehen weder Rechts noch Links, wir gehen“. Auch diese Demo war nicht parteipolitisch ausgerichtet. Alle Parteien müssen helfen, Massnahmen zu ergreifen, um unsere Erde doch noch retten zu können.

Da Julian ja wichtiges Mitglied unserer Stiftung Seiler ist, ist unsere Stiftung mit dieser weltweiten Bewegung verbunden.

An Michaeli, am 29. September, hat sich der Schlössligeburtstag zum 66jährigen Mal vollzogen. Doch wir feiern diesen Tag zur Zeit nicht mehr besonders. Doch haben wir haben an diesem Tag den wunderbaren Tanzfilm von Carola Stieber im Runensaal im Druidenhof gesehen. Ich versprach Carola, die zugleich Tänzerin, Regisseurin und Produzentin ist, ihr einen Rückblik zu formulieren:

Rückblick auf den Tanzfilm von Carola Stieber

Den Film am 29. September, an Michaeli, gesehen. Sobald Carola tanzt, schwingt sie sich in die paradoxe, überräumliche integrale Welt. Raum wird Zeit, Zeit der Gleichzeitigkeit des Andern, zwischen Vergangenheit und Zukunft, auf Messersschneide, dazwischen in der Gegenwart.

Dieser schamanistische Wirbeltanz als Wasserwirbel, der in sich das Nichts und alles enthält. Der Tanzwirbel der sich öffnet für das ganz andere. 

Der Tanz der Elemente, der Erde, des Wassers, der Luft und des Feuers. Alchemistisch hinauf und hinunter durch alle Aggregatszustände.

Die Religionen heute als Verhinderer einer spirituellen Sexualität, vor allem der weiblichen Sexualität gegenüber, frauenfeindlich und darum auch feindlich den anderen Religionen gegenüber. Ursprung aller Kriege, Kampf der Kulturen seit Jahrtausenden.

Im Film wird gezeigt, dass verschiedene Kulturen und Religionen wohl fähig wären, eine gemeinsame Spiritualität zu finden. Diese Spiritualität ist dann nicht mehr neben einander sich abgrenzend, sondern als Gleichzeitigkeit des andern.

Das Ganze durch Tanz, durch Bewegung. Der sich bewegende Leib als Mittler zur Spiritualität. Der Leib, der sich berührend mit dem Geistigen orgiastisch findet, ohne den Leib zu verlieren. Geist und Leib in der Kommunion. Leib transzendierend, der Geist inkarnierend. Immer im Leib bleibend und doch das höhere Ich findend. Das Ich als Zentrum, das ewig ruht im Auge des Orkans. Sich mit dem Leib bewegen und doch im Ich ruhend, geöffnet der Engelwelt. Ein Friedenswerk, auch zwischen den Religionen, das im Film gezeigt wird.

Der Wirbeltanz als Erddrehung im Kosmos. Die Erdachse ausgerichtet nach dem ruhenden Polarstern. Die Erde wirbelt in 24 Stunden um sich selbst, wandert gleichzeitig die elliptische Bahn in 365 Tagen um die Sonne. Geozentrisch wirbeln alle Gestirne um den Polarstern. Ruhe und Bewegung.

Der Tanz als Gespräch zwischen Ich und Du im Paartanz: Nähe und Unabhängigkeit. Den Zwischenraum heiligen zwischen Sexualität und Askese in der spirituellen Erotik, der Minne der Troubadouren. Erotik als Suchen des Anderen in der Berührung. Die Sehnsucht nach Verschmelzung und das Hinauszögern des sich ganz finden im andern.

Sinnlichkeit und Spiritualität im Tanz, im Ritual, in der Freude, in der Begeisterung. in den Augen. Sinnliche Spiritualität, spirituelle Sinnlichkeit.

Die Improvisation als authentische Gleichzeitigkeit des Tanzes, der Musikanten, des Gesangs. Nicht das Tradierende zählt, sondern das neue gegenwärtige Neugeschöpfte und Einmalige.

Der Film als ein Werk des integralen Bewusstseins, das das Archaische, Magische, Mythische und Mentale umfasst und kultiviert.

Dank an die Tänzerin Carola, der ich gerne zugeschaut habe. Möge sie wieder zu Kräften kommen.

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