Tagebuch #113

Aktuelles und ä bärndütschi gschicht

Es ist Anfangs März. Ob wohl es in den letzten Tagen gewaltig gestürmt hat, es sogar für einen Moment im Seeland weiss geworden ist, es frühlingt schon seit Wochen: Der Park verwandelte sich in eine Feenlandschaft mit all den Krokussen. Osterglocken, Schlüsselblümli, blühenden Sträuchern sind Boten der wiedererwachenden Natur. Mit Riesenschritten nähern wir uns der Tag- und Nachtgleiche. Schöne Sternennächte mit Venus, Sirius, Orion und Löwe.

In der Natur scheint alles zu stimmen. Wir beschäftigen uns mit dem Corona- Virus. Massenmassnahmen gegen Massenveranstaltungen. Die Mobilität zeigt ihre Fratze. Die weltumspannende Vernetzung transportiert auch Viren. Die Börsen stürzen ab. Was gestern noch Gewinn war, ist heute schon Verlust. Wer viel Gewinn hatte, hat heute einen grossen Verlust. Wenigstens dort gibt es Gerechtigkeit!

Wir im Schlössli verlangsamen die Prozesse: Nun ist endlich das Projekt  „Kunstwerkstatt“ unter Dach und Fach. In der Schreinerei hat sich jetzt ein Verein eingenistet, mit Schreiner, Töpfer und Architekt. Wir sind froh, dass jetzt auch dieser Ort nachhaltig genutzt werden kann.

Auf dem Jodelland hat eine Gruppe angefangen den Boden zu bearbeiten. Hier soll alles auch langsam wirksam werden.

Die „Kinderinsel“ hat gerade die Jahresversammlung hinter sich. Diese kleine pädagogische Initiative hat sich langsam konsolidiert.

Bei den Vermietungen hat es in der letzten Zeit einige Wechsel gegeben. Doch die Wohnungen waren schnell mit internen Interessenten neu vermietet worden. Es ist offensichtlich gesucht im Schlössli-Umfeld wohnen zu können.

Ich verfasse seit einigen Monaten berndeutsche Geschichten. Ich veröffentliche sporadisch an diesem Platz einige davon. Sie sind sprachlich noch nicht fein genug ausgearbeitet. Doch der Rohentwurf kann auch schon von Interesse sein:

Ä Schnuddergiu u sis Outöli i de Zwänzgerjahr

„Ä Schnuddergiu u sis Outöli i de Zwänzgerjahre“, also öppe vor hundert Jahr, isch ä Gschicht, die chönt nid eifacher z verzeue si: Immer, wenn dä Giu i d’Schuu het müsse -  de müesse het är, schüsch wär är nid gange -  isch er bi dr Löiebärgervilla verbi cho. Vorusse isch es chlis Outöli gsi, so nä blaue Zwöisitzer. Är het jedesmaul iche gluegt, ne hinger und vorn beaugapflet. Jedes Mau, wen er verbi cho isch, isch är däm Outöli nächer cho. Scho het är nid nume gluegt, sondern isch mit sine Händ zärtlich über Garosserie gfaare, grad so winer dä heim äm Büsi übers Fäu kraulet het. Das Outöli isch sis Liebesobjekt worde. Är isch richtig verliebt gsi. U weme verliebt isch, macht me Sache, die über Zerloubte use geit.

Scho het er Outotüre uf und zue gmacht. Scho isch är drine gsässe. Scho het är Schtürrad aglängt. Er het scho lang immer wieder zueglugt, wie me äs Auto alat. Wie me mit dä Brämse umgeit. Das het är bim mitfahre immer gnau studiert.

Scho isch är wieder drinne gsässe. U wies bi der Liebi isch, är isch neugierig gsi, wis sis Liebesobjekt funktioniert. Scho het är dr Motor agla, scho het är kupplet, scho isch z Outöli ruckwis agfaare. Niemer isch umewäg gsi und är isch losgfahre. Das heisst Outöli isch gfaare. Äs isch säuber gfaare und het sim Name aui Ehr gmacht: Säubschtbeweger, Auto-mobil, seit me däm.

Dr Giu hets sini Rosssterchine schnäu a de Zügle gha und isch gfahre und gfahre. Da isch i ihm sonäs Glücksgfüel usbroche. Das isch für ihn z Schönschte gsi, was ihm sis Liebesobjekt gä het. Är isch fasch ine Rusch ine cho. 

Doch är isch zrügg gfahre und isch grad derbi gsi, Outöli wieder schön a si Platz z steue, da chunt der Löiebärger säuber us sim Hus u gseht u ghört wie sis Outöli grad vomene junge Giu parket wird. Das isch doch ä uferschante Giu, dänkt är. Dr Giu het scho ufudervo wöue. Dr Leuebärger het ne agschroue: „ Du Schnuddergiu, was erloubsch Du dir, mis Outöli azlänge.“ Der Löuebärger isch äbe au verliebt gsi i sis Autöli. U jetzt so ne Schnuddergiul vergrifft sich a siere Liebi.

Der Giu isch ganz verdadderet da gstange u het uf Katastrophe gwartet. Der Löiebärger het aber scho ä chli gschmunzlet. Er isch erschtunt gsi, das ä Vierzejährige scho cha Outofahre. Doch är isch wieder ärnschter worde u het gseiht: „Zur Straf muesch du jede Samschtig mir mis Outo cho putze.“ Dr Giu het gmulet: „U wenig das nid wot?“ Dr Löiebärger het gantwortet: „De geisch haut id Chefi“.

So ischs cho, dass dr Giu jede Samschtig, anstatt go tschutte, z Outöli vom Löiebärger het putzt. Schnäu het är das gärn gmacht. Jetzt het är erloubt, sim Liebesobjekt immer nächer chöne cho. Är het pützerlet u Aues glänzig gmacht. Är het au der Motor und Reder gsüberet. Dr Löiebärger het zwar jedesmau no öppis besser wöue ha. Doch dr Giu het scho gmerkt, dass dr Löiebärger meaus zfride isch. So hei sich dr Löiebärger u dr Giul sich ihri Liebi teilt.

Scho isch dr Giu für ä Löiebärger nümme ä Schnuddergiu gsi u är het chöne mitfahre und mängisch ou sogar säuber fahre.

Einisch wo dr Giu bim Löiebärger verbi chunt gset är dr Löiebärger wüetig im Auto sitze und flueche. Är het z Otöli nid a bracht. Är het scho lang are wichtige Sitzig söue si. Dr Giul het ihm interessiert zuegluegt und het ihm gseit: Chan ig schnäu säuber iche hocke? Viellecht bringenig üsi Liebi i Bewegig.“ Scho isch är drinne gsi, het aus guet agluegt. Het alles fin berührt, aus würd är dem Outöli chüdderle. Da plötzlich louft dr Motor. Dr Löiebärger het gstunet und danket u isch wieder säuber igschtige u drvo gfahre. Dr Giu het dänkt, dass der Löiebärger  zgrob mit dem Outöli umgange isch: „I wär au nid gfahre, we me so unsensibel mit mir umgieng.“

Gschicht isch scho fasch fertig. Dr Giu het ä Outomechanikerlehr gmacht. Baud hei Dchunde nume no bi ihm wöue ihres Outo gä z repariere. Nid lang nach dr Lehr het är säuber ä Bude ufta. Scho het er die schönschte Outo i sire Wärchstatt gha. Lüt hei eifach gstunet, wie liebevoll  er mit dene Outo umgange isch. Bau het är ghürate u Ching gha. U mi het gseit, dass är mit siner Frou und Ching fasch so fin isch umgange, wie mit sine Outo.

Die Gschicht isch nid us mim Läbe. Äs passiert ja i de Zwänzgerjahr. Doch die Gschicht isch mir mau am Morge frü zwüsche Schlafe u Wache plötzlech i Sinn cho. Doch hets warschinlich doch ä Zämehang mit mim Läbe. I dä Siebzger jahr hanig am Sunntig us mim Fänschter immer chönne beobachte, wie dr jung Schmid gägenüber, sis neue rote Auto gwäsche het. Wie när liebevoll mit dem Schwumm über Garosserie gfare isch, isch fasch erotisch azluege gsi. I ha drbi dänkt, wen är sie Frou so liebevoll tuet strichle, de hets sis guet.

Die Gschicht isch übrigens die Erschte gsi, wo n’ig  bärndütsch ufgschribe ha.

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