I bi vom Frühlig be-GEISCHT-eret

I mim ganze Läbe hani uf nüt so blanget, wie uf ä Frühlig. I weiss no im Reust, uf tuusig Meter Höchi, wie nig aus Zäjährige jede Tag im Frühlig gluegt ja, wie dr Schnee gschmouze isch , wies g’aberet het. I ha zwar bis hüt nie ä grossi Ahnig gha uf d’Näme vo dä Frühligsblueme. Aber die wisse Schneglöggli, die gäube Osterglogge u Schlüsselblüemli, die blaue Trummuschlegeli ha nig kennt. U was isch äs de gsi, was eim so beidruckt het? Im Frühlig het me ou Sunne sehnsüchtig beobachtet, wie si jede Tag me gäge Oste ufgange isch, im Süde höcher gstange isch, bim Untergang scho me im Weschtpunkt versunke isch. Äs isch immer wider erstuunlich, wie schnäu äs zur Tag–u-Nachtglichi chunt. U we de d’Schneeglöggli verblüe u die wisse Blettli verschwinde u die schwärer wordene grüene Früchtli gäge Bode heute, de isch das scho fasch ä Vorbote vom Herbst.

Dr Frühlig isch äs Sunnewunger. Äs isch  aus chäm Sunne uf d’Ärde. Eigetlech isch äs Sunne,  wo i au dene Blüete ufgeit: Sunnewärmi u Sunnelicht. D’Wärmi u z Licht, die beide Urelemänt vo dr Sunne. Ob dr Frühlig würklech cha cho, isch immer ä Frag ob z Sunne wärmt oder Sunne schiint. Das sie Läbeselemmänt vo de Pfanze, wo se  fürelocke us äm chaute u dunkle Ärdrich. Isch äs die Sunnechraft, wo eim so be-geischt-eret? Ä übersinnlichi geistigi Chraft verkörperet sich i  dere Blüetepracht. U wem de i sich ine lost, was de dä Sunne-Blüete- Frühlig mit eim macht, de gspürt me ä Liebi. Ä augemeini Liebi zu aune Wäse.

Jede Mönsch möchte ja äs geischtigs Wäse si, oder zmingscht wärde. U das chaner, wenn är sich für öppis be-geischt eret. I dr Be-geischt-erig ärläbe ig z Geischtige. So eifach u so schwär isch das.

I dr Coronazyt, wo am blaue Himmu chum me Flüger z gseh si, dr Chrach vo de Auto minimiert isch u aus so stiu isch, überchunt eim fasch äs schlächts Gwüsse, wem e Vögu wieder ghört liede, wemä im Canale Grande i Venedig wider Fisch gseht u Delphine verbi gseht schpile. U de z ganze Leid au überau, das Stärbe, das Angschte, dä Wettkampf über gnüegend Schpitaubett, die Arbeitslose? Dörfe mer no dr näbe dr Frühlig, d’Bluescht, d’Sunne, das Liecht u die Wärmi verehre? Ja mir chöi. De das isch äs Medikamänt, dass mer i dere Kathastrophe nid gänzlich verzwifle. Sunne isch ou die Chraft, wo üs Muet zum Überläbe git, üs i üsere Immunität stercht.

I  schliesse a mini Frühligsbe-geischt-erig äs längers Zitat vom Albert Steffen a, wo när am Ostermorge nünzähundertzwöuf, öppe achtzwänzgjährig, Fougendes i sis Tagebuch gschribe het:

„Frühlings kleidet sich die Erde in eine geistige Hülle. Sie verändert(verwandelt) sich mit dem Sommer. Sie verschwindet mit dem Herbst. Es ist dies ein beständiges Herankommen von geistigen Wesenheiten. Sie werden abgelöst und wieder abgelöst. Es sind wie Wanderzüge von der Sonne her. Noch nie empfand ich das so deutlich wie diesen Frühling. Es ist mir, als läge eine Schicht verwandelter Sonne auf allen Matten. (Als gehöre sie dem inneren Herzen der Erde zu.) Ich grüsse in jedem grünenden Baum meine Sternenheimat. Man sagt, man könne nur auf der Erde leben. Ich aber lebe in der Sonne, die auf die Erde gezogen ist. Wer den Frühling richtig empfindet, also dass das Wachsen ein warmes süsses Gefühl in seiner Brust entfacht, der empfinet kosmisch. Und das ist das Seltsame. Wer auf der Erde ist und dennoch ein Sonnenkind, der macht die Erde zu einer Sonne. Aber auf der Erde sein und dennoch Sonne empfinden, kann nur derjenige, der rein ist, der nicht vom Irdischen, Vergänglichen, Sterblichen erfüllt ist, der selbstlos ist. Ja, der Selbslose macht die Erde zur Sonne. Der Frühling ist die Arbeit der Sonne an der Erde. Wie wird mir jetzt heilig zumut, wenn ich die Gräser, die ausschlagenden Bäume und gar Blumen betrachte. Ich fühle einen kosmischen Vorgang. Ich fühle die Liebe eines Gottes an seinem Schöpfungswerk.“

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