Tagebuch #119

Niklaus von der Flüe

Vor einer Woche war Kamila und ich für ein paar Tagen in Wilen am Sarnersee, gegenüber von Sachseln und Flüeli Ranft. Wir besuchten in Sachseln die Kirche, wo die Gebeine von Niklaus von der Flüe (1417 – 1487) ruhen. Wir trafen dort den Sigrist und den Pfarrer, die uns freundlich Auskunft gaben. Dann waren wir im Museum daneben, wo das Leben des Heiligen interessant dargestellt wird. Wir fuhren hinauf nach Flüeli-Ranft und besuchten das Geburtshaus und das Wohnhaus vom Einsiedler. Dann stiegen wir hinunter zum Kirchlein und Wohnort von Bruder Klaus, wo er vor seinem Tod nachweislich zwanzig Jahre weder gegessen noch getrunken hat. Dieser Ort ist eingebettet in einer wunderbaren Natur und Stille, wo der sprudelnde Fluss Melchaa Lebensenergien von sich gibt.

Ich habe mich schon in meinen Jugendjahren mit Niklaus von der Flüe beschäftigt. Vor allem im geschichtlichen Zusammenhang mit der Alten Eidgenossenschaft. Wie er als geistige Autorität den widerspenstigen Eidgenossen verhalf einig zu werden. – Ich habe Niklaus von der Flüe immer mit den Katharern verglichen. Sie waren ja die geistigen Führer der südfranzösischen Minnekirche. Auch sie zogen sich nach einem tätigen Leben in die Einsamkeit zurück. um Gottesfreundschaft zu pflegen. Auch Bruder Klaus gehörte zu den Gottesfreunden vom Oberland, von denen Tauler in Strassburg berichtete.

In meinem Büro hängt seit Jahrzehnten das Meditationsbild von Niklaus von der Flüe.  Das Originelle darin ist, das sechs Medaillons um ein Zentralbildnis angeordnet sind. Drei Strahlen gehen von Innen nach Aussen und drei von Aussen nach Innen. In der ersten Dreiheit ist die Dreieinigkeit dargestellt: Verkündigung mit Taube als Heilger Geist, Vater Gott als Schöpfer und Kreuzigung des Sohnes Jesu. Die Strahlen gehen von Aussen nach Innen. In der zweiten Dreiheit: Geburt Jesu, Verrat Jesu durch Judas und Eucharestie oder heilige Kommunion. Die Strahlen gehen von Innen nach Aussen. Das Zentralbild stellt einen gekrönten Kopf dar. Es könnte Jesus darstellen, aber auch den Meditierenden. Um die Medaillons sind noch die Symbole der vier Evangelisten dargestellt. Dieses von Aussen nach Innen und das Innen nach Aussen mahnt an das Prinzip des Hermes Tris Megistos: Was Oben ist, ist auch Unten, was Unten ist, ist auch Oben.

Im Zusammenhang mit dem Besuch in die Innerschweiz kaufte ich ein Buch über den Niklaus von der Flüe: Kathrin Benz „Der Aussteiger. Bruder Klaus für Skeptiker“. Die Autorin ist sogar ein Nachkomme des Einsiedlers -  von denen es Tausende gibt -  und Journalistin. Sie erzählt das Leben des Bruder Klaus im Kontext mit der Geschichte der Alten Eidgenossenschaft im fünfzehnten Jahrhundert. Das überaus gut lesbare und verständliche Buch präsentiert Niklaus von der Flüe als Kind, Jugendlichen, Familienvater mit fünf Söhnen und fünf Töchter, als Reisläufer und Krieger, als Politiker und vor allem als Bauer. Es gelingt ihr auch die Lebensweise der damaligen Innerschweizer zu charakterisieren.  Klaus ist schon als Kind beeindruckt vom Beten und Fasten. Oft ist er allein und sucht Kontakt zu Gott. Er heiratet die wunderbare Dorothee, die noch nach zehn Kindern jung aussah. Katrin Benz schildert auch die eigentlich ebenso grosse Leistung dieser Frau, dass sie, zwar schweren Herzens ihren Mann in die Einsamkeit ziehen lässt - sie hatte gerade ihr jüngstes Kind in der Wiege- doch die grosse Bürde des Bauernbetriebs und Familie selbständig weiter führte. Ihr gebührt ebenso eine Heiligsprechung. Bei der Kirche in Sachseln hat man ihr in neuerer Zeit ein Denkmal gesetzt.

Niklaus ist zwar ein Einsiedler geworden, doch er bekommt viel Besuch, Menschen, die ihn um Rat fragen. Adrian von Bubenberg ist sein Freund und Beschützer. Auch seine Familie, die gerade oberhalb der Einsiedelei wohnen, können ihn besuchen. Seine Gottessuche ist rigoros und unbedingt: Er schläft auf einem Holzboden und ein Stein als Kopfkissen. Er kann von seiner Klause in den Kirchenraum schauen. Die katholische Kirche hat ihre Mühe mit ihm. Denn er ist ein Laie und in seiner Art völlig autonom und sich selber verantwortlich. Er wird zwar ziemlich schnell selig gesprochen, doch erst 1947 heilig. Der Pfarrer zu Sachseln sagte uns, dass er eben nicht eine so grosse Lobby hatte.

Seit zwei Jahren steht Niklaus von der Flüe als Holzfigur beim Eingang zum Rosenhof. Simone Graf, die Gründerin des Rosenhofprojekt „Insich“, hat ihn dorthin gestellt. So hat auch dieser Heilige Wohnsitz im Schlössli genommen. Simone behauptete, er schütze den Rosenhof auch vor Krähenkolonien. Und tatsächlich, seit Niklaus von der Flüe im Rosenhof steht, kommen die Krähen auch nicht mehr, um auf unseren Bäumen zu nisten.

Es ist Ferienbeginn. Auch wir fahren für drei Wochen in Richtung Tschechien. Letzte Woche wurde in der Arena noch kräftig gefestet und getanzt. Heute macht Michelle, eine ehemalige Schülerin in der Arena ein Musik-Video. -  Eine Pilgergruppe kamen von La Neuveville her, um bei uns das Labyrinth zu laufen. - Ich habe die Brunnenmauer beim Tellenhof fertig ausgefugt. So haben wir eine kräftige schöne Natursteinmauer. Sie wird uns alle überdauern.

‹ zurück zur Übersicht