Tagebuch #132

„Wir leben in der Zukunft“

„Wir leben in der Zukunft“ dieser Satz tönte heute frühmorgens nach meinem Aufwachen in meinen Ohren. Was soll das? Ich liege danach lange wach und rätselte an diesem Satz herum. Ja, unsere Jugend schreit es in den Strassen: „Lasst uns die Zukunft nicht kaputt machen“. Es ist ihre Zukunft. Sie leben in der Zukunft.

Ich alter weisse Mann, bald achzigjährig, habe ich noch eine Zukunft? Und geht es überhaupt um meine Zukunft? Ich denke kaum. Die Zukunft beginnt aber immer gleich jetzt, jetzt, jetzt.

Wenn ich in die Augen kleiner Kinder sehe, dann sehe ich Zukunft. Und in ihren Augen glänzt noch das Vorgeburtliche. Es ist Adventszeit. Bald ist Weihnachten. Der Mythos der Geburt Jesu, seit über zweitausend Jahre lebendig zeigt Zukunft. Und diese Geburt wird auch gewürdigt durch die Naturburschen der Hirten und den Kulturträgern der Könige. Das Kind der „sixtinischen Maria“ von Raffael, wird von der Urmutter, der neuen Eva, Ave Maria, aus der geistigen Welt auf die Erde getragen. Im Gesicht des Jesusknaben steht seine Erdenaufgabe geschrieben. Mit Christus hat die neue Zukunft begonnen: Von jetzt an sollen sich alle Menschen als Brüder und Schwestern verbinden, jenseits von genetischen Merkmalen. Das war der Anfang der Zukunft. Doch wie wenig weit wir damit heute sind, ist auch eine Tatsache.

Heute ist Samstag, Shabbat, Saturday, Saturnstag. Das uralte Prinzip, der Weltenanfang wird gefeiert. Mit Rudolf Steiner fängt die Menschheitsevolution auf dem alten Saturn an, für die jüdische Kultur bei der Erschaffung der Erde in sieben Tagen. Dann das Paradies. Dann das Drama am Apfelbaum der Erkenntnis. Die Schlange war dabei. Das Böse gehört zur Erkenntnis. Doch der Mensch ist nur frei, wenn er auch das Böse tun kann. Der Brudermord von Kain zeigt diese Möglichkeit. Das steht im Alten Testament. Das ist Saturnzeit. Die Elemente des Alten Saturns ist die Wärme. Die Wärme und sonst nichts. Doch die Wärme ist prometheisches Feuer, ist Zukunft. Der Uranfang ist Wärme.

Morgen ist Sonntag, Sonnentag, Christustag. Das ist Zukunft. Zukunft ist, wenn wir uns im Geiste treffen. Sonne ist Licht und Wärme. Erkenntnislicht und Liebeswärme. Nur durch Erkenntnis und Liebe gibt es die Zukunft. Die Gesellschaft erfriert heutzutage in der intellektuellen Coolheit und  amoralischen Konsumrausch. Es braucht wohl noch Äonen bis diese geistigen Kräfte stark genug sind.

Doch Vieles hat heute schon Zukunft: die biodynamische Landwirtschaft, eine ganzheitlich heilende Medizin, eine ökologische Wirtschaft, gesundes Essen und eine künstlerische, spirituelle Pädagogik. Unsere Schlösslischule war eine Zukunftswerkstatt. Wir versuchten die Zukunftskräfte in den Kindern und Jugendlichen zu öffnen und zu entwickeln. Viele Ehemalige bestätigen uns dieses Gelingen.

Wir stecken mitten im Corona-Pandemie-Debakel: „Je mehr geimpft werden, je schneller überwinden wird die Katastrophe“. „Impfen ist ein Angriff auf die Unversehrtheit des Körpers, das wollen wir nicht“. Was jetzt? Wir wissen nichts Sicheres. Die Schlüsselfrage ist die Immunität. Das ist aber auch eine moralische Frage.

Bald ist kürzester Tag. Dann geht es nur noch aufwärts. Die keimenden Frühlingskräfte bereiten sich vor. Das ist unsere berechtigte Hoffnung. Wann wird es Frühling in der Pandemie?

Non ä Bärndütschgschicht:

 I bi scho dört wo nig häre ga

Ig bi scho dört wo nig häre ga. Du bisch dört wo nig häre wott. Äs zieht mi zu dir hi. Wie bim Pfiuboge isch mi Pfiu scho dört, wo när häre ziehlet. Ds Ziu u mis Ga isch äs Ganzes. Wiu dr Pfiuboge gschpannt isch, cha dr Pfiu sis Ziu erreiche, Doch i muess d Schpannig chönne la ga, um zum me ne Ort  chönne häre ds cho. Dr zue bruuchts Schpannig, Schpannig vo dr Sehne, dass ig mi cha sehne zu dir. I muess los la im harrende Jetzt, damit Bewegig äntschteit. Schüsch blibe nig im depressive Verharre schtah u chume nümm wyter. I mues dört häre, wo nig scho bi. Schüsch geits de nid. Geit nid das la Schta u eifach la ga. Lo la ga dört wo du schteisch, Lo Aues la ga u bis nume dä wo geit. U bis jetzt im Si, dört ganz bi dir, de bisch ou dört, wos häre geit. Dört wo du bisch, wott i häre ga. Das geit ersch, we nig la ga. Gäng dr Nase na. Dört wos häre zielet u du scho bisch. D Nase weiss scho wos häre geit Immer dr Nase na im Ga. Sie isch scho dört. Schta blibe isch depressiv. Äs drückt dir uf Seu. Sehn di la ds ga. Schpann die Sehne, dass chasch ga u sem harrende Schta. De bisch scho dört wo häre wotsch ga. Ga vom Schta zum Si zum Ziu. Das isch dr Punkt.

Lo üs la ga du Schtaat. Wo du schteisch, nüt lasch la ga, das Öppis  geit. Das Öppis geit müesst är la ga. Doch är isch so ängschtlech, dr Vatter Schtaat. Gloubt Aues müesse z regle. Drum geit nüt i dr Wäut, wiu Aui Angscht hei , we mir lö la ga, vo däm Schtaat, wo Aues nid wott la ga, wos für üs häre gieng. D Freiheit isch äs Wagnis, wius neu isch u angersch u eim nid lot la schta, wo me nisch. Vatter u Mueter, Schtaat u Chile, la üs la ga, dört wos häre zielet, wo mer gö, wo mer scho si. Lö mer la ga vo däm Schtaat u dere Chile, Vatter u Mueter, müess mer la si. Wei jung jetzt ga, wos härezielet. I weiss äs isch äs Wagnis, wem er lö la ga. Doch chöi mer nid höre, wo mer scho si, wem er nid los la, was üs het. Vatter u Mueter löt üs la ga, schüsch änderet nüt i dere Wäut u Aues blibt schta, we dr üs nid löt la ga. So gö mir doch hurtig, rebeuisch u chlüpfig, ou we dir nid weit. Mir wei jetzt dört häre wo mer scho si. ÄS GEIT.

Der Druidenhof noch mit Schilf gedeckt

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