Tagebuch #134

Krieg in Ukraine und Künstlerinnen aus Kiev im Schlössli

Schon über drei Wochen tobt der Angriffskrieg in der Ukraine. Kaum jemand hat diesen Krieg für möglich gehalten. Auch ich nicht. Diese Tatsache hat in der neueren Weltgeschichte ein neues Kapitel angeschlagen. Dass dieser Angriff offensichtlich aus dem Kopf eines allmächtigen Usurpator entsprang, zeigt die unzeitgemässe Handlung. Usurpator heisst: Person, die sich widerrechtlich der Herrschaftsgewalt im Staate bemächtigt.

Es kommt einem die Besetzung von Tschechien und Österreich und den Angriff von Hitler auf Polen mit all den Kriegslügen in den Sinn. Auch damals im Westen zunächst Konsternation. Man hat die Kriegstreiberei Hitlers nicht für möglich gehalten.

Nun kann man täglich verfolgen wie ein Land kaltblütig vom Herrscherpult des Usurpator aus zerstört wird. All das Leid von Müttern und Kindern, von Männern, ist fast nicht auszuhalten. Diese Zerstörungswut wird kaltblütig in diesem blutdrünstigen heissen Krieg vollzogen.

Obwohl dieser Krieg eine Menschheitskathastrophe ist und durch nichts beschönigt werden kann, ist die Solidarität des Westens erstaunlich. Plötzlich schlägt das Herz gemeinsam für die leidenden Ukrainer*innen.

Gestern sind drei Frauen, Künstlerinnen aus Kiev, bei uns im Schlössli angekommen. Sie haben in Kiev von uns gehört, dass wir bereit sind Flüchtlinge aufzunehmen. Todmüde und erschöpft, haben sie von ihrer Reise durch die Ukraine, Ungarn, Österreich, Deutschland, den Ort gefunden, wo sie willkommen sind. Die Willkommenskultur hinter der ukrainischen Grenze war für die Frauen eindrücklich: Überall gab es zu Essen, sie konnten gratis Zug fahren und sie bekommen sofort für lange Zeit auch den Status eines anerkannten Flüchtlings, der auch arbeiten darf.

Wir haben noch nicht viel von den Frauen persönlich gehört. Doch ein solches Land verlassen zu müssen, mit all den Verwandten und Freund*innen, mit Männern, die todesmutig weiterhin ihr Land verteidigen wollen, mit vielleicht schon Verstorbenen, ist eine schwere Bürde.

Wir sind daran mit den Frauen zusammen heraus zu finden, was sie im Moment, aber auch in nächster Zukunft bedürfen, um vielleicht den Schicksalsschlag etwas zu lindern. Julian ist daran dies zu koordinieren.

‹ zurück zur Übersicht