Tagebuch #136

Vor einer Woche (Ostermontag) haben wir meinen 80. Geburtstag mit über 50. Gästen gefeiert. Kamila hat das alles organisiert. Peter und Waltraut aus Wolframs Eschenbach (Deutschland) kamen. Vor vier Jahren waren wir bei Peter, als er seinen Achzigsten feierte. Die Selesi aus Prag kamen mit ihrer Tochter. Sie zeigten eine grosse Fotoausstellung aus unseren Aktivitäten in den drei letzten Jahrzehnten in Tschechien. Pavel und Hanna sind in der Leitung der Waldorfschule Jinonice in Prag. Ihre Tochter, die gerade das Abitur macht, zeigte uns Eurythmie. Meine Töchter Manda, Radwina und Alhaga aus erster Ehe und meine erste Frau Christa waren z. Teil mit ihren Kindern dabei. Mein Bruder Michel mit Holle, seiner Frau, vom Stärenegg beehrten uns. Viele Freunde und Bekannte waren dabei. Dazu ein Teil unserer Schlösslibewohner*innen und Leiter unserer Schlössliprojekten.

Manda sang mit uns Lieder. Die grosse Überraschung war das Konzert des Duo Celdon, Jodok mit Cello und Udo mit dem Akordeon. Einen Teil des Essens wurde durch Catering von Nell und Tom aus Dotzigen gekocht. Beim Aperitif halfen unsere Söhne Julian und Manuel mit seiner Freundin Nora. Unsere Tochter Alhaga zeigte ihren wunderbaren Blumenschmuck.

Ein wunderbares Fest im Fenis-Saal des Lilienhofs. Mich ehrte der Anlass und bekam auch viele passende Geschenke. Schön so achzigjährig zu werden.

Zwei Monate Ukrainekrieg und offensichtlich noch lange nicht zu Ende. All das Leid unter der Zivilbevölkerung. Die Zerstörung eines Landes auch im materiellen Sinne. Diese sinnlose Zerstörung.  All die Männer, die ihr Leben als Soldaten einsetzen, um das Land nicht kampflos dem Agressor zu überlassen.

Was mich ab all dem Leid zutiefst beschäftigt, sind all die Putin-Versteher, die den Angriff auf ein souveränes Land, argumentativ rechtfertigen. Sei das historisch, sei das russophil, sei das antiamerikanisch. Ich weiss von Leuten in Tschechien, in der Schweiz, mit sogar hohem Bildungsstand, die all den Fakes aus Russland Glauben schenken. Und es sind oft auch Leute, die in der Pandemie zum Teil Impfgegner waren. Was sind das für Leute, die wir im Umfeld von Trump als Verschwörungsgeschichtenerzähler antreffen. Leute die auf falsche Tatsachen schwören, weil es gerade ihrem maroden Weltbild passt.

Ich war dem politischen Amerika immer skeptisch gegenüber. Und wir sprayten folgende Slogans an die Wand: „Lieber Ostern als Western“, „Amy go home“. Heute sind wir froh für Amerika, für die Nato.  Es waren schliesslich die Amerikaner, die halfen den Ersten und Zweiten Weltkrieg zu beenden.

Wir wissen aber auch alle, Putins Russland ist noch nicht Russland. Ich verehre das Kultur- und Geistesleben Russlands. Und wir hoffen, wie einst Rilke, Russland nach der Katastrophe wieder besuchen zu können. All die russischen Genies in der Literatur, der Wissenschaft, der Musik, die russische Landschaft und Architektur haben nichts zu tun mit dem zerstörenden allrussischen Nationalismus.

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