Seit 1963
Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verstäntnis des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen. Philosophie der Freiheit von Rudolf Steiner
Ursprung / Leitung
Das dreijährige berufsbegleitende Seminar wurde von Aetti Seiler und Ueli Seiler-Hugova gegründet und jahrelang geleitet. Später übernahm Christian Bärtschi die Leitung. Seit 2002 liegt die Führung wieder in der Hand von Ueli Seiler-Hugova.
Schlössli Ins
Heimgemeinschaft Schlössli Ins (seit 1953), 70 InternatsschülerInnen, 40 ExternschülerInnen und ca. 100 MitarbeiterInnen. Wohngruppen (Höfe), Kindergarten, 1. bis 10. Klasse, heilpädagogische Gesamtschulklassen, handwerkliche Berufsausbildung, ErzieherInnenseminar, Bauhütte (Handwerkergemeinschaft, Gärtnerei, Landwirtschaft), Therapeutikum, Schlössliladen und Verwaltung (siehe Organigramm) bilden die Bereiche unserer pädagogischen Institution. Kinder und Jugendliche, die aus irgendwelchen Gründen nicht mehr zuhause sein können, finden bei uns Aufnahme (4-18 jährig). Eltern, die eine Alternative zur üblichen Schullandschaft für ihre Kinder suchen, finden in unserer Schule (Externat) eine Möglichkeit. Darüber hinaus sind wir offen für Kinder und Jugendliche, die es an einer Normalschule schwerer haben, die Lern- und Motivationsschwierigkeiten haben und deren Kreativität, aus Gründen Ihres Leidensweges blockiert ist. (Schlössli-Leitbild)
Berufsbegleitende Ausbildung
Das Seminar begleitet ErzieherInnen in ihrer Ausbildung, die meistens die Praxis in einem der Kinderhäuser der Bildungsstätte Schlössli Ins tätigen, in Blockkursen an Freitagen und Wochenkursen, am Donnerstagmorgen. Die Seminarleitung bemüht sich, dass die Kurse den intensiven Alltag mit Kindern und Jugendlichen stützen, ihnen die sozialkünstlerischen Fähigkeiten und die Erkenntnisse geben, sich selbst und ihre Arbeit besser zu verstehen. Bedingt durch die niedrige SchülerInnenzahl (20), wird das Seminar als Gesamtschule (alle drei Jahre zusammen) geführt.
Trinitätsgedanken
Dabei stützt sich das Seminar auf den uralten Trinitätsgedanken, dass jegliches menschliche Tun in dreifacher Weise geschehen muss, wenn ein ganzheitliches Menschentum angestrebt werden will:
Parzival
In Wolfram von Eschenbachs Parzival wird gezeigt, dass Parzival zunächst die Entwicklungsschritte einer naturgegebenen Mutter-, dann gesellschaftlichen Vatererziehung durchlaufen muss, um schlussendlich Gralskönig zu werden. Die dritte Stufe ist nur zu erreichen durch die Krise durch Gott und sich selbst hindurch. Erst wer sich selbst überwindet, kann die Welt retten.
Heinrich Pestalozzi
Später, nämlich 1797, hat Heinrich Pestalozzi, der weltbekannte Pädagoge, in seinem Hauptwerk Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts ein trinitarisches Prinzip beschrieben, das den Menschen zunächst als Werk der Natur beschreibt, ihn dann sieht als Werk der Gesellschaft. Doch wird der Mensch erst Mensch im Werk seiner selbst. Erst die sittliche, moralische, ethische Kraft, die ja nur originär aus jedem einzelnen Menschen selbst stammt, wirkt kreativ in den Natur- und Gesellschaftszustand des Menschen. Ohne Sittlichkeit, so Pestalozzi, bleibt der Mensch ein Massenmensch.
Rudolf Steiner
Hundert Jahre später beschreibt Rudolf Steiner in seiner Philosophie der Freiheit den Menschen gleichermassen als unfrei, wenn er nur den naturgegebenen Trieben folgt und von den gesellschaftlichen Normen abhängig ist. Erst der Mensch, der aus seinen Intuitionen und moralischen Phantasien heraus sich selbst bestimmt, ist frei. Unser Seminar folgt in seinem Leitbild diesen drei trinitarischen Aussagen. Dahinter steht das Menschenbild, das den Menschen als trinitarische Ganzheit in Leib, Seele und Geist sieht.
Werk der Natur
Die SeminaristInnen sollen Werk der Natur werden, indem sie (wieder) Beziehung bekommen zum eigenen Leib, zum Leib ihrer Kinder und Jugendlichen, zur Natur: Fragen der Gesundheit, der Pflege, der Ernährung, der Sinneslehre, der Naturbetrachtung (Sternenkunde, Farbenlehre, Heilkräuter usw.), der Erlebnispädagogik usw. Im kunsthandwerklichen Arbeiten, im Kochen, im Haushalten, in Gartenarbeit, im Sport, im Spiel soll der Leib geschickt gemacht werden. In der affektiven Erziehung soll theoretisch und praktisch auf die Triebstruktur, die Erotik und Sexualität des Menschen eingegangen werden.
Werk der Gesellschaft
Die SeminaristInnen sollen aber auch Werk der Gesellschaft werden. Das heisst, sie sollen ihre sozialen, seelischen Fähigkeiten verstärken. Durch verschiedenste theoretische Konzepte in der Psychologie, in der Soziologie, in der Pädagogik und Heilpädagogik, der Kommunikation, Gewaltprävention, der Rechtslehre usw. lernen sie den Umgang in der Gruppe, in gesellschaftlichen und rechtsstaatlichen Zusammenhängen. Sie bekommen Einsichten in verschiedenste Therapieformen wie Heileurythmie, Legasthenie, Logopädie usw. In mythologischen und geschichtlichen Darstellungen erhalten sie Einblick in die Kulturgeschichte, die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit, in die Mythen und Märchen. In der Berufskunde lernen sie etwas über Organisationsformen, Zusammenarbeit mit Eltern und Behörden, über Qualitätssicherung, über Haushaltsführung in der Gruppe wie z.B. Kochen, Raumpflege, Sorgetragen zu persönlichen Wäsche- und Kleidungsstücken, über Taschengeld und Budgeteinhaltung, Gestaltung des Tages, des Jahreszeitentisches, der Geburtstags- und Jahreszeitenfeste. Die allgemeinbildenden Fächer sind dazu da, das vorangestellte Menschenbild immer wieder beispielhaft zu verinnerlichen. Immer ist es ein spirituelles Menschenbild, das als Leitbild jeder sozialpädagogischen Arbeit zugrunde liegen muss.
Werk seiner selbst
Die SeminaristInnen sollen aber vor allem Werk ihrer selbst werden. Das was Heinrich Pestalozzi im Stanserbrief schildert, dass nämlich nur derjenige ein wirkungsvoller Erzieher wird, der sich existentiell bis zur Grenze seiner Möglichkeiten einsetzt. Diese Kreativität aus sich selber zu entwickeln, aus einer tiefen Anteilnahme am Du des leidenden Andern, dieses sich Einsetzen für das Not-wendige, aus einer inneren Haltung heraus, das kann nicht von aussen gegeben werden. Das muss jeder selbst in sich entwickeln. Doch gibt das Seminar für dieses Anliegen die Möglichkeit sich selbst zu entfalten. Dies entsteht vorallem in der Praxis. Dort geschieht durch die Beziehung zum Kind, zum Jugendlichen, der innere Aufruf, sich selbst ganz dieser Aufgabe zu stellen. Die angehenden ErzieherInnen spüren, dass sie sich zunächst selbst erziehen müssen um authentisch und identisch Wirken zu können. - Durch künstlerische Kurse im Singen, Malen, Theater, Eurythmie usw. kann an der eigenen Kreativität gearbeitet werden. Da gibt es aber auch die Arbeit an der eigenen Biografie, das sich bewusst machen eigener Fehler und Fähigkeiten. Nur die ErzieherInnen die sich der eigenen Unzulänglichkeiten bewusst sind, haben die Möglichkeit als echte PädagogInnen zu wirken. Dazu dient auch das Schreiben eines Arbeitstagebuches. Die Frage, warum ich eigentlich Erzieher/Erzieherin bin, muss immer neu gestellt werden. Dazu dienen auch gemeinsame Besprechungen mit der Seminarleitung und den Praxisbegleitern. Die Seminarleitung soll immer wieder kritische Fragen zur Ausbildungsentwicklung stellen düfen. Die SeminaristInnen sollen in diesen drei Jahren eine existentielle, intensive Zeit durchleben können. Rückblickend wird oft auch die Qualität der Ausbildung in der Qualität des Schlösslis selbst gesehen. Die Identifikation mit den geistigen Quellen des Schlösslis wird so zu einem wichtigen Element der persönlichen geistigen Lebenserfahrung.
Aufnahmebedingung Praktikum
In der Regel ist eine abgeschlossene Berufslehre oder Mittelschulbildung, aber auch eine andere gleichwertige Tätigkeit die Voraussetzung für den Seminareintritt. Bei Praktikumseintritt sollten die KandidatInnen mindestens 20 Jahre alt sein. Ganz wichtig ist uns das vorausgehende 6-monatige Praktikum in einem der Schlössli-Gruppenhäuser. Ein individuelles Aufnahmeverfahren entscheidet, ob ein/e KandidatIn ins Seminar aufgenommen wird.
Diplomarbeit
Im letzten Ausbildungsjahr wird eine praxisbezogene Diplomarbeit gefordert. Sie ist ein Teil der Praxis-Forschung und dient auch neuen Impulsen für das Schlössli. Die Diplomarbeit wird vor SchülerInnen, MitarbeiterInnen und Oeffentlichkeit abgehalten.
Diplom
Die SeminaristInnen erhalten ein Diplom als Heimpädagoge
Nach Abschluss der Ausbildung
In der Regel verlassen die SeminarabgängerInnen nach Ausbildungsabschluss das Schlössli. Als HeimpädagogInnen (mit privatem Diplom) arbeiten sie heute in allen möglichen sozialen Einrichtungen in der ganzen Schweiz auch in staatlichen Institutionen. Ein Teil von ihnen gründete Grossfamilien. Viele Arbeiten aber auch nach der Ausbildung in der Bildungsstätte Schlössli Ins als MitarbeiterInnen weiter. Auffallend jedenfalls ist die grosse Berufstreue.
Anerkennung, Nachholbildung und Bachelor-Ausbildung
1. Aequivalenzanerkennung der Schlössli-Ausbildung vom 12. Dezember 2001 der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern. Die Absolventen des Schlössli-Seminars können Ausbildung im Kanton Bern auch in staatlichen Heimen angestellt werden.
2. Nachholbildung an der BFF in Bern. Mit der Einwilligung des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes des Kantons Bern. Dauer 1-2 Jahre.
3. Universitäre Bachelorausbildung an der Universität Plymouth in England
Januar 2009