Tagebuch #104

Krumlov und Schlössli

Vom 14. bis zum 25. August waren Kamila in Tschechien. In Prag haben wir noch mit der Übersetzerin meines Wärmebüchlein Magdalena Geryserova gesprochen. Wir fuhren aber vor allem nach Krumlov an den anthroposophischen Kongress der nun schon das 10. Mal tagte und das letzte Mal mit 300 Teilnehmer*innen kulminierte. Ich selbst nahm das 5. Mal mit meinen Ausführungen über Parzival teil. Dazu gab ich einen Kurs über integrale Sternenkunde. Kamila übersetzte mich. Die vielen Teilnehmer*innen, mehrheitlich Tschech*innen, waren dankbar und beeindruckt wie Kamila und ich so gut zusammen arbeiteten.

Im Kurs Parzival erzählte ich den Schluss des wolframschen Parzivals. Dazu versuchte ich umfassende Motive dieser menschheitlichen Mythologie darzustellen. Diese Motive seien hier aufgezählt: Der Mensch ist schwarz und weiss wie eine Elster. – Die schwarze und weisse Königin. – Das Lust- und Schmerzmotiv bei Jeschute und Sigune. – Das mittelalterliche Spiralen-Motiv und die Ent-Wickelung von Tumbheit über Zvifel zur Saelde, über die pestalozzische Sicht des „Werk der Natur, Werk der Gesellschaft, Werk seiner selbst“. – Das Geschehen der „drei Bluttropfen“ zwischen Heiss und Kalt und der Mitte der Herzwärme. – Der eifersüchtige Orilus und die Erkennende der Individualität Kunneware als Geschwister. – Die Polarität des sich selbsterziehenden Parzival und des Sozialtherapeuten Gawan. – Die drei Kämpfe als Überwindung des magischen, des mythischen, des mentalen Bewusstseins zum integralen Bewusstsein. – Die Integration und Individuation des Schwarz-Weissen, des heidnischen Feirefis, zum Christlichen. – Der Gral als Blutkelch, als Kelch, als Stein. Der Gral als Phönix-Mysterium. Die Trägerin des heiligen Grals ist eine Frau, die Repanse de Schoye. Der Gral als Liebes- und Lebensspender. Die Resilienz als gralshafte Widerstandskraft, Das skorpionische Stirb und Werdemotiv im Gralsgeschehen. Parzival als Heiler durch Empathie und Fragetherapie.  Amfortas als Lazarus. – Die Todeserlebnisse Parzivals mit Sigune und Kundry la Surciere. Die Polarität der Geburt und des Todes in der Mutter Gottes mit Kind und in der Pieta bei Sigune.  Der Tod gehört zum Leben. „Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, verdirbt, wenn er stirbt“ (Angelius Silesius). -  Der wolframsche Parzival als Arche der Katharer-Spiritualität. Die Menschen-Minne und Gottesliebe in der katharischen Minnekirche. Die Liebe und Minne als Ganzheit von der Erotik bis zur Agape. – Der Rosenkreuzer-Impuls als Nachfolger des Parzival-Mythos. Erst durch die Überwindung in den Todesprozessen (Kreuz) kommt man zu den ätherischen Rosen. Der heutige Rosenkreuzer lebt unauffällig und nennt sich selbst nicht Rosenkreuzer. Erst im Heilen, im Tun entsteht das Gute (Wärmemeditation).

Jana Cohen, eine Freundin aus Wien war auch Teilnehmerin am Parzivalkurs und brachte Kamila und mir als Geschenk die Skizze des Triptychon „Gral“ auf einer Stahlplatte. Anne May (1864-1954) hat dieses grosse Bild, 3 Meter hoch und 6 Meter breit, für den Johannesbau in München nach Angaben von Rudolf Steiner gemalt. Der Johannesbau kam nicht zustande. Das Bild, lange noch in der Waldorfschule Hamburg aufbewahrt, wurde im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe zerstört. Das esoterische Bild zeigt im linken Teil die Übergabe des Steins aus Luzifers Krone durch die Königin von Saba an König Salomo. Hieram, der Erbauer des Tempels steht gegenüber von Salomo. In der Mitte das Kreuz und das Auffangen des Blutes von Jesus Christus durch Joseph von Arimathia. Das Blut träufelt in eine Unterwelt darunter und es entsteht eine siebenblätterige Rosenblüte. In dem rechten Teil ist die Einweihung der Vorinkarnation des Christian Rosenkreuz durch 12 Hierophanten im 13. Jahrhundert, wie es Rudolf Steiner 1911 in Neuchatel geschildert hat, dargestellt. Dazu ist die geistige Welt in einem Fries und vier Säulen skizzenhaft angedeutet. Ein wunderbares Geschenk.

In der Sternenkunde behandelte ich folgende Themen: Die integrale Sicht der Sternenwelt. – Die aktuelle Erscheinung am Fusse des Schlangenträgers, des Asklepios. Jupiter im Stirb und Werde-Zeichen Skorpion. – Die Annäherung von Jupiter und Saturnn(im Schützen) bis zur Grossen Konjunktion am 21. Dezember 2020. – Das Sal-, Merkur- und Sulfur-Prinzip am Sternenhimmel. -  Die alchemistischen Planeten-Qualitäten. - Der astrologische Tierkreis. -  Die Konjunktion von Saturn, Jupiter, Mars und Supernova am Fusse des Schlangenträgers im Jahre 1604 als kosmisches Bild für das irdische Zusammenwirken von Rudolf II, Tycho Brahe, Johannes Kepler und dem Rosenkreuzer-Impuls.

Als wir zurückkamen, war das Fest „Day Dance“ im Rosenhofpark, gestaltet durch das Rosenhof - Insich-Projekt, schon vorbei. Das Fest beinhaltete Tanz und Musik, Fussreflexszonenmassage, Yogaworkshop, Grillieren mit Sharing Buffett und am Abend ein Konzert (Surprise Act). Der ganze Park und die Kuppel mit Labyrinth waren geschmückt mit Stoffbänder.

Am 31. August fand eine Klima-Demo in Erlach statt, die von Julian Seiler mitorganisiert war. Immerhin über 70 fröhliche Teilnehmer*innen fanden sich ein. Es wurden schöne Reden gehalten und der Zug durch das Städchen war im üblichen Habitus mit Slogans und Aufrufen laut genug gestaltet. Gleichzeitig wurden in über 30 Orten an dezentralen Plätzen auf die Klimaproblematik aufmerksam gemacht. Für mich als Teilnehmender ermutigend, weil durch Julian unsere Stiftung inmitten dieser notwendigen Bewegung ist. Gleichzeitig vernahm man/frau, das Greta Thunberg mit dem Segelschiff in Amerika angekommen ist. Sie hat ein schulisches Freijahr genommen um in Nord- und Südamerika zu wirken.

Am gleichen Tag haben wir noch das Fest der Battenhofgemeinschaft besucht. Ein wunderbares Fest unter der riesigen Buche mit Musik, Tanz und Essen. Im Baum hingen Objekte der vier Elemente und wurden mit Musikritualen begrüsst. Dieser Battenhof wurde mit den Musikern aus Kolumbien zur spanischen Enklave. Ein gelungenes Fest mit schamanistischem Gepräge. Äetti hätte seine Freude daran gehabt. Ich bin erfreut, wie sich im Schlössli so kraftvolle Impulse entwickeln.

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