Tagebuch #105

Anna Reich und Schlössli Fest

Heute ist Tag- und Nachtgleiche. Diese Sonne wandert heute senkrecht auf dem Erden-Äquator und verabschiedet sich von der Nordhälfte der Erde. Für ein halbes Jahr. Das kann man auch in meinem Astrolabium beobachten. Heute wandern die Enden der Sonnen-Schatten exakt von West nach Ost. Überall auf der Welt. Das verbindet uns in Nord und Süd, in West und Ost.

Gestern wurde das Sterbe-Ritual von Anna Reich in der Rosenhof-Arena, auf dem Labyrinth zelebriert. Anna Reich war lange Zeit Hausmutter im Schlössli. In fast allen Höfen. Sie arbeitete nicht als Hausmutter. Sie hat dies gelebt. Schon als Kind hat sie sich mit dem Schlössli verbunden. Als Kamila und ich sie vor Wochen im Sterbe-Asyl besuchten, war sie frohgemut. Für sie war das Sterben nicht das Ende, sondern ein Übergang. Die Vorstellung, dass sie nach der Schwelle durch die verschiedenen Planetensphäre wandeln werde und schlussendlich die Fixsternwelt erreiche, war ihr Gewissheit. Sie wollte von mir das genau dargestellt haben. Ich zeigte ihr das Bild in meinem Sternenbuch integral. Dass dieser Weg hinauf, dazu da ist, das vergangene Leben aufzuarbeiten, war ihr klar. Nun, sie dachte schon daran, wie sie dann durch alle Planetensphären wieder hinunter wandeln werde. In einer neuen Inkarnation will sie dann wieder im Schlössli wirken.

Als wir nach der Vernichtung der Schlösslischule (2014) mit allen Mitteln dafür kämpften, dass das Schlössli bleibt, haben wir das für alle gemacht, für die das Schlössli Heimat geworden ist. Durch den Wunsch von Anna ihre Heimat in Zukunft wieder im Schlössli zu finden, steigert sich unsere Motivation, das Schlössli in die Zukunft hinein weiter zu entwickeln und zu erhalten.

Wo wohl wohnen wir,

wo ist uns Heimat?

Auch im Drüben; und Hier,

irgend an einer Statt

des Himmels, der Erde:

das ist Vorübergang,

nicht ohne Beschwerde

und voll Abendklang.

Wirkliches Wohnen ist nur

Im Herzen derer, die lieben;

Dort ist die goldige Spur

heimatlich unvertrieben.

Jean Gebser(1905-1973)

Gestern verabschiedeten sich die Tschech*innengruppe (19 Personen), die für ein paar Tage das Schlössli besuchten. Wir zeigten ihnen das ganze Schlössli. Sie verbrachten einen Tag lang in unserer Kräuterschule und machten Medikamente. Ich zeigte ihnen am Abend den Sternenhimmel. Einen ganzen Tag verbrachten sie in Bern. In der Stadt war Einiges los. Sie besuchten auch das Kunstmuseum. Bei der Herfahrt ins Schlössli besuchten sie noch das Goetheanum. Kamila und ich lernten diese Gruppe in Prag kennen. Im Zentrum ist Jana, die im chinesischen-medizinischen Bereich unterrichtet, sich aber auch für Anthroposophie interessiert. Kamila hat dort auch schon Anwendungen der rhythmischen Massage gezeigt. Sie wollten von mir das anthroposophische Menschenbild dargestellt bekommen, aber auch die Christologie von Rudolf Steiner und die 12-Sinneslehre.

Vor zehn Tagen hatten wir das Schlösslifest (14.September). Wir freuten uns sehr für alle erneuten und neuen Begegnungen. Wir hatten die von Julian produzierte Schlösslipost an alle Haushaltungen geschickt. Jetzt wissen die Inser*innen, was da im Oberdorf, im Schlössli läuft. Am Schlösslifest konnte man/frau das ganze Programm erleben: Risotto, Pizza, Rosenhof-Kaffee, Gewölbe-Ritual mit Bärwolfgeschichte von Helen und Gesang, junge Musiker aus Tschechien, Kinder-Theater, Kinderspiele, Film mit Vorstellung des Landwirtschaftsprojekts, die eindrückliche Pferdevorstellung im Battenhof, der Tangotanz und das Tanzfest waren die Attraktionen und überall die Vorstellungen der Schlössli-Projekten. Das Interesse war gross. Wir freuten uns auf all die Besuche. Eine Bestätigung von Aussen, dass es uns gibt.

Die Stände- und Nationalratswahlen diesen Herbst beschäftigen mich sehr. Sind alle die weltweiten und hiesigen Klimaprotesten unserer jungen Generation in der Politik wirksam? Bis jetzt hat man den Eindruck, dass diese Klimawelle einen gewaltigen Eindruck hat. Nächsten Samstag gibt es eine nationale Demonstration der Klimaallianz in Bern. Ich bin auch dabei.

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