Tagebuch #109

Laubtag und Apollo

Gerade Vollmondnächte hinter uns. Kalte Sternen besäte Nächte. Durch den Tag oft finster und regnerisch, ein paar Hundert Meter höher Schnee. Dann wieder blauer Himmel und Sonnenschein. Blau als Komplement zum orange-gelben Laub. Doch unser grosser Ginkgo hat noch grüngelbe Blätter. Das gegenwärtige Klima verschiebt das Blätterverfärben und Fallen um Wochen in die Zukunft.

Vor ein paar Wochen das „Groteske Theater“ im Druidenhof (2.11. 019) vom Besten. Die drei Kunstgestalten unterhielten das Publikum mit konsequenter schöpferischer Phantasie ihre verqueren Beziehungen zu einander. Z. T. liebevoll, z. T. bissig ironisch. Die Darstellungen waren monumental, zugleich auch bis in die Feinheiten im Kleinsten ausgearbeitet. Jede Rolle wurde bis zum „Geht nicht mehr“ durchgezogen. Eine spannende, ohne eine Leerstelle, konzentrierte künstlerische Leistung. Ohne grosse sprachliche Kommunikation, dafür sinnlich zu geniessen. Schön dass uns „Insgeheim“ diesen Leckerbissen organisiert hat. Schade, dass so wenig Leute im Publikum sassen. Schade für all die es verpasst haben.

Am 6. November im „Rendevous am Mittag“ kam eine Sendung im Zusammenhang mit der ganzen Carlos-Affäre ein Beitrag über die Stärenegg. Michel hatte einmal mehr über die Stärenegg-Pädagogik gesprochen: Nicht das Kind soll im Zentrum stehen, sondern die Arbeit, wir brauchen keine Professionalisierung der Sozialarbeiter, sondern diese sollen sich auf Augenhöhe der Kinder stellen und mit ihnen gemeinsam herausfinden, was Not tut im weiteren Lebensweg des Kindes. Die Handwerker, die mit den Kindern arbeiten, diese sollen sich immer mehr professionalisieren. „Nicht die Kinder sind schwierig, sondern die Welt um sie herum“. Wieder einmal träfe Aussagen von Michel. Bravo. www.srf.ch/sendungen/ist-der-dosto-zug-jetzt-zuverlässig

Am 11. November war St. Martin im Schlössli. Es war schon dunkel, so kam er auf einem Schimmel mit einer Fackel in der Hand zum Rosenhof. Dutzende von Kindern und Erwachsenen mit Räbeliechtli versammelten sich auf dem Gewölbeplatz, stiegen dann hinunter ins Gewölbe. Dort spielte Adaja auf einer Harfe. Dann wurde die Geschichte vom St. Martin vor dem roten Rosenhoftor erzählt und in einem Schattentheater sah man den frierenden und hungernden Bettler. Dann der Auftritt des St. Martin, der seinen Mantel mit ihm teilte.

Dann gings hinaus in die Nacht. St. Martin führte nun den Lampionzug durch den Park, durch das Quartier Böbleren und bei der Kirche wieder hinunter zum Rosenhof. St. Martin zeigte sich immer wieder dazwischen imposant auf dem Pferd. Unten vor dem Rosenhof wurde  St. Martin verabschiedet. Also auf “Wiedersehen St. Martina!“ Denn der Reiter war eine Reiterin. Anna. Die Kinder und Eltern bekamen noch Tee und ein Gebäck. Organisiert von „Insich“. Auf dem Gewölbeplatz brannte ein grosses Feuer. Darum wurde noch getanzt.

Ein wunderbares Fest. Organisiert von der katholischen Kirche in Ins und von der Kinderinsel. Darum waren auch viele Kinder vom Dorf dabei. Es halfen aber noch andere vom Schlössli mit. Wieder ein Ritual, das vom alten Schlössli hinübergerettet worden ist. Und das Gewölbe war wieder einmal voller Kinder.

Am Samstag, den 16. November um 10 Uhr versammelten sich ganz viele Schlössler*innen auf dem Gewölbeplatz. Aus allen Höfen strömten sie daher. Denn es ging vor allem um das Lauben im Rosenhofpark. Ohne grosse Organisation begannen alle irgendwo das Laub am Boden zu Haufen zu rechen. Sofort gab es Leute, die das Laub zum Kompost transportierten. In weniger als zwei Stunden war das Laub schon zusammen gerecht. Jetzt gab es eine gute Suppe im Rosenhof. Nach dem Essen wurde weitergearbeitet. Dorothea hat mit ein paar Menschen zwei Komposte um geschaufelt und die biodynamischen Präparate hineingegeben. Dieser von Rudolf Steiner angeregte alchemistischer Vorgang dynamisiert die Erde, verlebendigt sie. Es wurden noch gerodet, gejätet und aufgeräumt. Am Abend war der Park wunderbar im Sonntagskleid. Dieses Gemeinschaftswerk der Schlössler zeigt doch die Solidarisierung der Mieter mit der Stiftung. Kamila, die für den Park verantwortlich ist und Jahr und Tag zur Pflege des Parks bereit ist, hatte plötzlich so viele Helfer.

Es ist eben der Rosenhofpark schon auch ein geistiges Zentrum des Schlösslis. Dass er einmal im Jahr von so vielen MieterInnen liebevoll gepflegt wird, ist auch ein Ritual, ein neues Ritual im neuen Schlössli.

Gestern Abend war ich noch mit Kamila und Manuel an einem Filmfestival im Movie Bern für wissenschaftliche Kurzfilme der Uni Bern. Julian und sein Kollege zeigten dort ihren Kurzfilm über Veloverkehr in der Stadt Bern. Der Film zeigte anhand von Aufnahmen eines fahrenden Velokuriers die Wichtigkeit des Veloverkehrs. Der Velokurier, der sehr engagiert über seinen Traum einer autofreien Stadt sprach und Aussagen einer Veloverkehr-Expertin zeigten eindrücklich das Veloprojekt in der Stadt Bern. Gewonnen hat ein Kurzfilm über die Beteiligung der Uni Bern am Mondlandungsprojekt Apollo der Amerikaner. Auf dem Mond konnten die Berner Wissenschaftler*innen ein Sonnensegel aufrollen lassen, dass die Substanzen des Sonnenwind messen liess. Abgesehen von den Fakten, wurde sehr schön dokumentiert, wie die altgewordenen ehemaligen Wissenschaftler*innen mit Freude, Emotionen und Stolz die Uni Bern plötzlich in das Rampenlicht der weltweiten Raumfahrtwissenschaft brachten.

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