Tagebuch #127

2. bis 5. April: Über Ostern dreht Manuel Seiler mit einer fünfzehnköpfigen Crew seinen Film im Zusammenhang mit seiner Ausbildung an der Filmschule in Zürich. Er soll einmal im Kino Ins gezeigt werden.

Kamila und ich fahren ins Oberland in die Ferien. Auf dem Harder Kulm sehen wir in die Alpen und auf Unterseen zwischen dem Brienzer- und Thunersee.  - Wir fahren ins Habkern Tal, wo einstmal, Ende des Krieges, Fritz Jean Begert(1907 – 1984) seine Lombachschule hatte. Die Schule war reformpädagogisch interessant , vor allem wie er die SchülerInnen in Gruppenarbeit selbständig forschen liess. Im dortigen Heimatmuseum erfuhren viel über dieses verwunschene Tal.  - Dann waren wir noch auf dem Niederhorn , wo noch Schnee lag und schauten ins Justistal, auf die Sichel und gegen de die Hinterseite des Sigriswilergrats, der in meiner Kindheit mein Hausberg war.

10. Mai: Gespräch mit meiner Korrektorin für mein berndeutsches Buch im Weberverlag. Das Buch heisst „Wenn dr Himmu äm Horizont äs Müntschi git“. Es kommt anfangs September heraus. Ich werde am Schlösslifest

(11. September)daraus vorlesen.

21. Mai: Kamila und ich besuchen den Hof von Gorm Seiler ob Langnau. Wir sind begeistert, wie Gorm seinen Hof ausbaute, er seine Felder bewirtschaftet, er im sozialpädagogischen Zusammenhang ein Reich der nachhaltigen Ökologie aufbaut.

28. Mai: Kamila und ich schauen in der Kirche zu Ins die Pantomime eines portugiesischen Meisterkünstlers an.

6. bis 10. Juni: Kamila sind noch einmal im Berner Oberland in den Ferien. Wir wandern von Gwatt nach Thun durch Naturschutzgebiete und dem Schadaupark. – Dann sind wir noch im Giessbachhotel am Brienzersee und bewundern das Naturschauspiels des tosenden Giessbachfall. Gegenüber des Hotels sehen wir am gegenüberliegenden Ufer des Brienzersees Ebligen. Dort habe ich im Winter 62/63 im Rahmen meiner Ausbildung zum Primarlehrer die Gesamtschule(1. bis 9. Klasse) geletet. Das war mein „Stansererlebnis“. Das Giessbachhotel ist von Franz Weber gerettet worden und ich war mit ihm dort wegen Umweltschutzfragen.

18. Juni: Jahresversammlung der drei Institutionen, Stiftung Seiler, Schlössli Ins AG, Stiftung für Heimpädagogik. Die Präsentation der Rechnungen verlief gut, nicht zuletzt der hervorragenden Arbeit von Tom Grossenbacher als Buchhalter. – Am Abend trafen wir uns in Dotzigen im kulturellen Zentrum von Tom und Nell. Wir bewunderten den Garten, die Ausstellungsräume und genossen ein feines Nachtessen. Mit diesem Essen verabschiedeten wir uns von Fäbu, der fast vier Jahre unser Hauswart war. In dieser Zeit hat er in unserer Stiftung viel geholfen, alle die praktischen Aufgaben, gegenüber der Mieter zu bewältigen. Wir danken ihm für diese Zeit. Sein Nachfolger Markus war auch dabei. Wir freuen uns für die zukünftige Arbeit.

20. bis 25. Juni: 14 Bauernlehrlinge einer deutschen biodynamischen Ausbildung besuchen das Schlössli. Ich gebe ihnen Sternenkunde und Farbenlehre,. Sie haben Bodenkunde und besuchen das Wallis und einen Gletscher. Dazu fahren sie zu biodynamischen Höfen und nach Dornach ans Goetheanum.

23. 24. Und 25, Juni: Die 6. Klasse der Inser Primarschule führen in der Arena im Rosenhofpark das Theaterstück Siegfries auf. Ihr Lehrer und Regisseur ist Nils. Er war einmal über 10 Jahre im Schlössli Klassenlehrer. Die Aufführungen waren eindrücklich, z. T. im Regen. Die Abiance in der Arena, die Kinder mit ihren Chören einmalig. Ein echtes pädagogisches Projekt.

30. Juni: Der anthroposophische Carl Spitteler Zweig aus Liestal war zu Besuch. Es waren etwa zwölf Menschen, denen wir zum Mittagessen im Fenissaal einluden. Ich erzählte ihnen vom Schlössli  und machte mit ihnen eine Führung durch unsere Häuser. Wir besuchten auch die Kräuterschule.

2. Juli: In der Arena im Rosenhofpark war das interne Mittsommer-Fest des Projektes InSich. Die musikalischen Beiträge von heimeigenen Mitglieder waren eindrücklich waren eindrücklich: Solo-Geigenkonzert einer Bewohnerin im Labyrinth, Rapperbeitrag eines Bewohners, Emanuels Musik-Band in Vollformation, fulminant und vielseitig mit den einzelnen Musikern.

6. Juli: Besuch von Hans Vet und Rita Hennik mit Harry Salman. Wir waren am Sonntag vorher bei ihnen in Moutier zu Besuch. Harry hatte dort einen Vortrag über Immunität. Wir zeigten Ihnen das Schlössli und Kamila organisierte ein schönes Essen mit Gespräche in unserer Wohnung. Sie waren stark beeindruckt vom Schlössli. Hans und Rita haben im Sinn ein zukünftiges Projekt zu realisieren. Es heisst „Eine Zukünftige Wohn- und Arbeitsgemeinschaft in der Natur in der Schweiz.“ Wir kannten die Initianten schon vom Haus Parzival im Berner Oberland.

7. Juli: Wir von der Stiftung Seiler unterzeichneten einen sieben Jahre dauernden Pachtvertrag des Jodellandes gegenüber des „Vereins Paradiesesgarten“. Schon werden kleine Gärten mit Gemüse und Heilkräuter angebaut. Wollschweine pflügen das Land um, Bäume werden gepflanzt.

 Ändlech afa (Aphorismus)

Ändlech afa. Nach au däm Warte. I chas bau nid erwarte, dass me ändlech afat. Mängisch rede sie nume drvo, was sie mieche, wes sis mieche. Aber würklech afa isch ne drwider. U was sie ou mache, si mache nüt. Die Höseler. Afa heisst Farb bekenne, für das wo me afat. Angscht ha adsfa het dr mit dstüe, dass me de gsiech, was sie mieche. Nid nume sürmle, was me miech, we mes miech. Ändlech afa.

Ändlech afa heisst, dass ds Warte äs Ändi het. Afa uds Ändi ghöre zäme. Am Ändi würd me de ufhöre. Ändlech ufhöre mit dem verchachelete Züg. Nid chönne ufhöre isch ds Gliche, wie nid chönne afa. Beides isch schwach i dr Sach. Bim Afa gsäch me was passiert, wem e würd afa. Bim viellecht doch nid Ufhöre het me gäng no Hoffnig, äs chön besser wärde mit däm verchachelete Züg.

Nid chönne Afa u nid chönne Höre ghört dzäme. Beides isch müesam. Zum Verzwifle müesam. Äs geit so nüd rächts i üsere Wäut. Ds Nidagfangnige uds Verchachelete nid la si, isch das, warum nüt rächts geit, was aber nid geit.

We fö ändlech die a, wo Öppis Rächts wei u höre die nid uf , wo ds Richtige wei? Immer wider afa, nid höre afa, ou wes schwierig isch, isch guet. Höre wes nid guet geit, isch ou guet. Me muess aber sofort wieder afa. De ds Afa het öppis Kraftvous, ds Höre het mit dr Weisheit ds tue. Ändlos afa het dr mit ds tüe, das Schöpfig no nid fertig isch. Dr Liebgott het zwar i siebe Täg agfange, aber no nüt fertig gmacht. Mir hei mit dr Schöpfig no nid äs mau ds Grächtem agfange. Äs git no viu ds tüe uf dere Wäut. Uf ä Liebgott ds warte, bis är witterfahrt, wär de grad ä chli ds biuig.

Auso, gö mer a ds Seck u fö mer ändlich a u höre ändlich uf mit au däm Glöu, wo üsi Waut kapput macht. „Macht kaputt was üs kapput macht“ heimer mau gseit u hei agfange Öppis adsfa, wo üs u aune guet tuet.

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