Tagebuch #129

Michaeli & Schlössli-Fest 2021

Heute ist Michaeli, dem Schlössli-Geburtstag. 68 Jahre ist es her, dass Müeti und Aetti mit uns Kindern das Schlössli begründet haben. Das Schlössli als Schlössli-Schule gibt es nicht mehr. Doch sind wir schon im achten Jahr nach der Schliessung. Das „Neue Schlössli“ lebt im gleichen Geist weiter. Doch anders. Die Schlössli-Post 2021 berichtete darüber.

Dass das Schlössli gerade an Michaeli begründet wurde ist Absicht. Es weist auf den Erzengel Michael hin, der seit 1879 regiert. Er regiert bis 2234. Rudolf Steiner beschreibt mit Michael das neue Bewusstsein. Es geht den immer grösser werdenden Materialismus zu überwinden. Den Materialismus nicht als Drache zu töten, sondern ihn zu spiritualisieren. Das war eigentlich die Hauptmotivation in Steiners Werk. Hundert Jahre nach Steiners Tod gibt es zwar schon viel spirituelle Kraft, die den Materialismus spiritualisieren wollen. Doch diese Kräfte sind immer noch viel zu schwach.

Steiner beschreibt die Geburt der Bewusstseinsseele auch schon früher: 1415 war auch zugleich die Geburt der Renaissance. Z. B. mit der Jungfrau von Orlean, mit Niklaus von der Flüe, mit Jan Hus, mit dem Dreigestirn Raffael, Leonardo und Michelangelo, mit Paracelsus und Kepler usw., fing es an, dass das Spirituelle über das eigene höhere Ich erfahren werden musste.

Was Pestalozzi vor mehr als zweihundert Jahren anthropologisch begründet hat, dass der Mensch erst Mensch wird, wenn er neben dem „Werk der Natur und dem Werk der Gesellschaft“ auch „Werk seiner selbst“ wird. Doch in der heutigen Welt leben die hedonistischen Trieb-Naturkräfte, die den Konsumismus antreiben, Viele übernehmen gerne die gesellschaftlichen Trend-Normen und unterwerfen sich dem Vater Staat gerne und nehmen in Kauf, wenn er dafür autoritär ihn knechtet. Der Bürokratismus überwuchert wie ein Krake die ganze Gesellschaft.

Schon bald achtzig Jahre alt, bin immer wieder erfreut, Menschen und Gruppen zu treffen, die weg wollen von dem Nur-Materialismus. Die Materie brauchen wir. Wir müssen ja mit beiden Beinen am Boden stehen. Doch soll sich die Materie verlebendigen, wie es jeden Frühling die Pflanzenwelt macht. Die Materie bekommt durch das Geistige einen besonderen Glanz.

Am 11. September hatten wir ein sehr schönes Schlössli-Fest: Es kamen viele Menschen, darunter auch ehemalige SchülerInnen und Mitarbeiter*innen. Als Beispiel nenne ich Jenny, sie hiess damals Raussmüller und lebt heute in Kalifornien. Heute nennt sie sich Jo Wunderly. Sie ist Psychotherapeutin. Sie war Ende der Achtzigerjahre drei Jahre in meiner Klasse. Wir haben damals Klassen von der 10. Klasse bis in die Zwölfte geführt. Ich habe mit dieser Klasse Streckenwanderungen gemacht: Ins-Chur, Genf- Mont Ventou bis Arles. Von Meer zu Meerwanderung über den Appenin und Assisi nach Tarquinia. Sie sagte mir ganz klar, dass diese Jahre ihr das positive Fundament gab für ihr weiteres Leben. Ich staunte nur so, vor mir eine reife Persönlichkeit zu begegnen, die sich selbst durch viele Hindernisse hindurch entwickelt hat. In ein solches Gesicht zu schauen und im Gespräch fest zu stellen, dass da jemand ist, der vielen Rätseln der Welt lebendig auf der Spur ist, war für mich ein Höhepunkt des Schlössli-Festes.

Ich konnte auch noch mein neues Berndeutschbuch „Wenn der Himmel dem Horizont äs Müntschi git.“, im Weberverlag erschienen, präsentieren. Kinderspiele wurden organisiert, Geschichten erzählt und Musikbands spielten bis um 23 Uhr. Für das leibliche Wohl sorgte die Kunstwerkstatt, der Rosenhof und Insich-Projekt und ein Mitbring-Buffet. Ein Fest ohne Masken mit freudigen Gesichtern. Das Wetter zeigte sich von der schönsten Seite.


Hie füege nig no ne uveröffentlächi Gschicht us mim Läbe a. Wär das interessiert, cha das ja no läse.

Äm töifschte Punkt i mim Läbe luegt mi äs Büechli a über d Rosechrützer

Am vierte Juli Zwöituusiguvierzäh chunts zum Ändi vo dr „Heimschule Schlössli Ins“, die Aetti u Müeti gründet het, wo nig füfedriisg Jahr gleitet ha. U nu zweuesiebzgi bi. A däm Tag isch Schuländi u d King u MitarbeiterInne wärde ändgüutig entlah, die inqusitorischi staatlichi Schliessig vom Schlössli, wird Würklechkeit. I säuber ha a dere Schlussfiir nid chönne teilnäh. I ha Huusverbot i d Schlösslihüser gha.

A däm Tag bi nig töif truurig nach Bärn gfahre. Ds Wärk vom Schlössli, wo so viu Ching u Erwachsnigi hei über Jahrzähnte am Läbe erhaute, isch Gschicht worde. I bi verzwiflet gsi u ha natürlich ou nach däm gsuecht, was i säuber zu däm Ungergang ha bi treit.

I gah z Bärn i die anthroposophischi Buechhandlig „Anthrovita“ a dr Marktgass. Wo nig über ä Büechertisch luege, luegt mi ganz intensiv äs purpurnigs Büechli a mit äm Titel: „Christian Rosenkreutz im dreizehnte Jahrhundert“ vo dr Französin u Architektin Isabelle Val de Flor. Uf äm Titelbiud isch äs Rosechrütz. I choufe, ohni überhoupt iche zluege, das Büechli u ga a Bärplatz i ne Beiz u läse während Stunge ds ganze Büechli vo hundertvierzg Site.

Scho i dr Ifüerig verzeut d Isabelle, dass ihre bi dr Forschig über ä Christian Rosekrütz im dryzähnte Jahrhundert vor auem zwöi Pärsönlichkeite äntscheidend ghufe hei: Dr Paul Alexis Ladame, gschtorbe im Jahr Zwöituusig u dr Robert Seiler, dr Aetti, gschtorbe Zwöituusigueis. Das het mi fasch umghoue: Was, dr Aetti isch Informant gsi für eini vo dä wichtigschte Frage innerhaub dr anthroposophische Wäut? Dr Aetti het mir nie dr vo brichtet.

U was verzeut de das Büechli? Viu! U die, wo das würklich interssiert, chöi jetzt witer läse. Am Schluss chame de gseh, was d Bedütig für mi isch gsi, am täufschte Punkt vo mim Läbe, grad uf ä nes settigs Büechli ds schtoosse. Bi nig gschtoosse oder zoge worde? I weiss äs nid.

Ds Grundmotiv vom Büechli si Vorträg vom Rudolf Steiner am siebenezwänzigschte u achtezwänzigschte Septämber Nünzehunderteuf i Neuchatel. Dört git dr Steiner ä ganz neuei Perpektive i Bezug uf d Rosekrützerbewegig: I dr zwöiti Heufti vom drizähnte Jahrhundert hei sich zwölf Verträter vo de atlantische u nachatlantische Kulturimpulse ä me ne Ort i Europa zäme da, um ä me ne Drizähnte, ä me ne Jüngling, au die Weisheite vo dr Mönschheitsgschicht lo ufznäh. Dä Jüngling het scho Erfahrige gmacht i früechere Läbe, unger angerem zu Chrischti Zyt. So isch dä Jüngling zum Weisheitsträger vom ächte Chrischtetum worde. Das isch ä Vorinkarnatiom worde zum historische Christian Rosenkreutz. D Frag für Isabelle Val de Flor isch jetzt gsi, wo dä Ort isch vo dere Iweihig dür die zwölf Weise. Sie isch nid zletscht düre Ladame u äm Aetti uf das Kloschter „Gottstatt“ im hütige Orpund, öschtlich vo Biel, cho.

Sie zeigt ilüchtend, dass i däm gliche dryzähnte Jahrhundert, Katharer ufs Heftigschte vo dr Romchile si verfougt worde. Am sächzähnte März si unger dr Burg Montsegur zwöihundertfüfezwänzg Katharer verbrönnt worde. Si hei gseit, dass me se zwar cha verbrönne, aber i Siebehundert Jahr si sie wieder da. Einigi vo dene Katharer wo überläbt hei, si ids Seeland gflüchtet u hei sich de unger äm Schutz vom Graf Fenis u Nidau(1201 – 1258) hie agsidlet. Dä Jüngling chönti äs Ching gsi si vo Katharer i Südfrankrich. Ds Kloschter Gottstatt isch vom Graf Fenis u Nidau gründet worde.

Im zwöite Vortrag schiuderet dr Steiner d Rosechrützer. Sie verträte äs Chrischtetum, wo aui Religione drinn Platz hei. Die ächte Rosechrützer träte  no hüt nid aus Organisation uf. Sie faue nid uf i dr Chleidig, no im Verhaute. Sie sie engagiert aus PflegerInne, LehrerInne, KünschtlerInne, LandwirtInne u ÄrztInne. Sie wei zur Gsundig vo dr Ärde u Mitmönsche bitrage. Ä Rosechrützer würd nie säge, är sig ä Rosechrützer.

Rosechrützer wird me, wem e vor äm Abgrund schteit u nümme weiss wies witer geit. Mi dere Art vo Todesärläbnis cha me i Verbindig cho mit dr geischtigi Wäut.

Das u no viu meh ha nig i däm Büechli gläse. Grad zur richtige Zyt. I ha de säuber no nid gwüsst, wies witer geit. Doch i bi de später vor dä läre Schlösslihüser gschtange u ha gwartet, wär jetzt i die Hüser chunnt cho wohne. Hüt, nach mee aus siebe Jahr, hei mir äs nöis Schlössli mit über hunderfüfzg Mönsche u fasch vierzig Projekt. Was me id dr Schlössliposcht cha nacheläse. Dr Geist sit dr Gründig u dür Zyt vo dr Heimschuo läbt no hüt im Schlössli. Aber angersch.

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