Tagebuch #133

Brief von Rainer und Aktuelles

Alles spricht gerade über den Omikron Tsunami: Die Infektionen schnellen in die Höhe. Doch die Spitaleintritte bleiben tief. Alles statistisch. Erst wenn man es in der eigenen Umgebung erlebt, bekommt es Realität: Ganze Gruppen im Schlössli wurden Koronakrank. Doch erfreulicherweise, wirkte das Virus eher mild. Alle konnten sich selber kurieren.

Nachdem in meiner Familie die Korona-Infektion ausgebrochen war, erwischte es auch mich. Die ersten Tage mit schrecklichem Kopfweh. Doch alles entwickelte sich glimpflich. Vielleicht, weil ich schon doppelt geimpft war. Vielleicht. So gehöre ich also auch zu der weltweiten Gruppe der  Angesteckten. Ich gehöre nun dazu. Vielen ging es nicht so leicht wie mir.

Wie es weiter geht mit der Pandemie rätseln die Experten. Was einem leid tut sind die Gräben zwischen den Impfgegner und den Impfbefürworter. Hier geht es oft nicht um das Wissen über die Dinge, sondern man glaubt das, was man glauben will. Nicht das ist schlimm, dass wir verschiedene Gläubige haben, sondern, dass wir nicht tolerant genug sind im eigenen Gluben ein Stück weit Offenheit haben für neue Erkenntnisse. Das Phänomen Korona ist noch so neu. Erst in Zukunft wird sich herausstellen, was relevant war und was nicht.

Ich selbst weiss nur ganz sicher, dass wir noch zu wenig wissen. Und trotzdem müssen wir handeln. Muss vielleicht der Staat handeln. Nur soll er nicht sich nicht aufspielen es mit all den Experten alleine zu wissen. Das Korona-Regime vom Staat ist auch nur oberflächlich. Es brauchte eine Anerkennung einer ganzheitlichen Sicht der Gesundheit.  Die Frage der Immunität ist eine Zentralfrage. Wie muss sich der Mensch verhalten, dass er seine gesundheitliche Integrität bewahrt. Diese ganzheitliche Sicht hat im Moment eine schwache Stimme.

Sollte die Omikron-Welle der Anfang vom Ende sein, dann wäre ja zu hoffen, dass auch die sozialen Schwierigkeiten sich mildern könnten. Und man ginge daran die Gesundheitsfragen ganzheitlicher zu stellen.

Rainer Moser, ein ehemaliger Schüler aus frühen Schlössli Jahren, erzählt sein Leben.

Rainer Moser besuchte unsere Schlösslischule anfangs der Sechzigerjahre. Schon Jahre vorher war seine Schwester bei uns. Ich selbst war damals in der Ausbildung zum Lehrer in Bern und kam nur sporadisch ins Schlössli. Im Frühling 1963 übernahm ich die Verantwortung des Schulunterrichts. Ab 1972 die Gesamtleitung des Schlösslis.

Am 27.12.2021 schrieb Rainer Moser

Lieber Ueli

Herzlichen Dank für Deine freundlich Karte. Ja, tatsächlich bin ich ein ehemaliger Schüler von Euch. Ebenso meine ältere Schwester Karin, die ca. 2-3 Jahre vor mir das Vergnügen hatte. Beides spielte sich Anfang der 60er Jahre ab. Meine Hausmutter war damals Bouggi (Buchmann), die die Dinge und Schüler ziemlich im Griff hatte. Ich war damals im eigentlichen Schlössli untergebracht. Ein speziell gutes Verhältnis hatte ich zu Deiner (damals wie vermutlich auch heute) attraktiven Schwester Kathrin. Bitte bestell Ihr doch ganz herzliche Grüsse. Ist sie auch immer noch mit dem Schlössli verbunden?  War sie nicht zu einem späteren Zeitpunkt mit einem italienischen Diplomaten verheiratet? Ihr Background und Werdegang würde mich sehr interessieren. 

Gerne gebe ich Dir einen kurzen Abriss meines Lebens nach dem erfolgreichen Schlössli Aufenthalt: Vorerst absolvierte ich die Handelsmittelschule in Zürich. Dann ging es weiter mit einem 2-jährigen Praktikum bei der Credit Suisse. Dieses hat mich so motiviert, dass ich mich anstellen liess und mich mit Börse, Anlageberatung und Vermögensverwaltung beschäftigte. Dabei verbrachte ich auch 2 Jahre in Genf bei der CS. - Dazwischen musste ich auch die RS absolvieren und hab dann gleich die Unteroffiziersschule und Offiziersschule der Flieger- und Fliegerabwehr-Truppen hinter mich gebracht. Später wurde ich dann noch Hauptmann und Kommandant einer Fliegerabwehr-Batterie in Payerne. - Beruflich ging es dann in London weiter, wo ich am City of London Polytechnic Banking and Finance studieren konnte (von der CS gesponsert). Sodann absolvierte ich einen Kurs für ausländische Banker bei der Midland Bank (Englische Grossbank). Nach der Rückkehr nach Zürich konnte ich ein Jahr später zur weiteren Ausbildung nach New York. Dort absolvierte ich das New York Institute of Finance in der Wall Street (mit entsprechendem Examen), eine 6-monatige Ausbildung bei Brown Brothers Harrimann, eines der besten Wall Street Häuser sowie den gesamten Ausbildungskurs von Merrill Lynch (grösster Broker der Welt) direkt neben den World Trade Towers, die damals (1974) fertiggestellt wurden. -  Nach der Rückkehr verblieb ich noch ein ganz Zeit bei der CS, doch damals gab es einen Personalstopp der mich zwang mich umzusehen. So verbrachte ich die nächsten 5 Jahre bei der Privatbank Vontobel. Dann wurde mir eine Stelle als Chef der Vermögensverwaltung bei der Cantrade AG (Tochtergesellschaft der UBS, mit über 1000 Mitarbeitern) offeriert, die ich gerne antrat. Diesen Job habe ich ca. 15 Jahre mit Begeisterung ausgeführt, umso mehr, als ich Mitglied der Geschäftsleitung wurde und mein CEO der bekannte Prof. Bruno Gehrig war. Als er dann aber eine Berufung an die HSG bekam, war ich keineswegs an der Position des CEO interessiert und gründete mit 2 Partnern die Swisspartners AG (www.swisspartners.com). Dies war 1993 und wir zählen mittlerweile mit ca. 130 Partnern und Mitarbeitern zu den grössten selbständigen Vermögensverwaltern der Schweiz. In der Zwischenzeit bin ich natürlich de jure pensioniert mit Jahrgang 1948, gehe aber trotzdem noch jede Woche 1-2 Tage in’s Büro im Zentrum von Zürich.

Privat bin ich seit über 50 Jahren verheiratet mit Barbara. Wir haben einen Sohn (made in England and born in CH) der eine Marketing- und Kommunikationsfirma in Berlin mit ca. 40 MA betreibt und eigentlich mit seiner Familie (3 Kinder) in Küsnacht wohnt. Sodann haben wir eine Tochter (made in USA and also born in CH), Juristin mit 2 erwachsenen Töchtern in Herrliberg und, last but not least, eine Tochter, Marketing-Fachfrau, die mit der Familie, 2 minderjährige Kinder, 50 Meter von uns entfernt in Erlenbach wohnt. 

Zur Zeit sind wir alle 15 Personen im Engadin und geniessen die Feiertage in der Natur und mit der Familie.

Ich hoffe, es geht Deiner Familie auch so gut wie sie es verdient und ihr könnt die Tage wieder etwas ausspannen, bevor Ihr wieder Gas geben müsst.  

Leider bin ich noch nicht dazugekommen Dein spannendes Buch über berndeutsche Geschichten zu lesen. Es lag bei den Ferienbüchern parat, doch habe ich es leider doch vergessen. 

Herzliche Grüsse an Dich und Kathrin

Rainer

28. Dezember 2021

Lieber Ueli

Herzlichen Dank für Deine umgehende Antwort, die mir wiederum vieles in Erinnerung rief. So wurde mir umgehend wieder bewusst, dass Fräulein Buchmann „ Bouggi" genannt wurde. Vermutlich hat sie zwischenzeitlich ja längst das Zeitliche gesegnet, da Du und ich mittlerweile auch zum älteren Eisen gehören.

Deine werten Eltern, Aetti und Müetti sind mir selbstverständlich noch in bester Erinnerung. Für mich waren sie damals echte Ehrenpersonen mit einer starken Ausstrahlung und Persönlichkeit. Ich habe das Schlössli in späteren Jahren noch 1 - 2 Mal mit meiner Frau jeweils am Weekend besucht und sie dabei auch begrüssen dürfen. Auch Dein (ziemlich) jüngerer Bruder Michel sehe ich noch vor mir. -  Später habe ich auf Grund meiner Aktivitäten „die andere Welt“ nämlich das Antroposphische Schlössli etwas  aus den Augen verloren. 

Es ist sehr spannend, was Du zur Entwicklung des Schlösslis bzw. der Stiftung schreibst. Ich denke, wenn Du die Heimleitung nicht abgegeben hättest, dann wäre die Geschichte anders geschrieben worden. Doch nach 34 Jahren (!) und dann noch im Pensionsalter darf man sich auch mal etwas zurückziehen. Doch es steht und fällt bekanntlich immer mit den richtigen Leuten….. Und das sieht man leider erst im Nachhinein. Es muss brutal hart gewesen sein, als der Kanton die Schule damals schloss. Es ist aber sehr beachtlich, dass die Stiftung über 90 Mietverträge mit mehr als 150 Personen abschliessen konnte und für über 40 Projekte die Federführung hat.  Die Liegenschaften sind natürlich eine wertvolle Kapitalanlage mit zur Zeit steigender Tendenz. 

Du kannst gerne die Schilderung meines Werdegangs für die Homepage verwenden. Dies jedoch unter der Prämisse, dass ich vorgängig „ein Gut zum Druck“ geben kann. Vielen Dank für Dein Verständnis.

Echt tiefgreifende Erinnerungen an das Schlössli habe ich leider keine mehr. Lediglich der normale Tagesablauf mit Andacht etc. ist mir noch präsent. Ein prägendes Erlebnis habe ich allerdings. Dieses kann und will ich nicht „zu Papier“ bringen. Gerne kann ich es Dir aber bei einem Besuch erzählen. Ich hoffe sehr, dass ich im Laufe von 2022 einen „Boxenstopp“ in Ins einlegen kann. Das würde mich sehr freuen!

Herzliche Grüsse

Rainer

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