Tagebuch #104

Besuch bei Waldorfschulen in Tschechien

Vom 1. bis zum 10. Februar war ich in Tschechien und gab Kurse, Vorträge und besuchte Waldorfschulen. Kamila organisierte alles und hat mich z. Teil auch übersetzt.

Zuerst gab ich dem Management einer grossen tschechischen Naturkosmetik-Firma, Nobilis Tilia, in Krasna Lipa einen Farbenkurs. Wir lernten auch den Begründer dieser Firma kennen und besuchten die Produktion.

Dann fuhren wir in die Waldorfschule in Semili. Dort gab ich dem Lehrerkollegium einen Vortrag über mein jüngstes Büchlein „Von der Wärmepädagogik zur Wärmepädagogik“. Am Abend hielt ich im dortigen Kino einen öffentlichen Vortrag über die Waldorfpädagogik. Es kamen viele Menschen aus der Stadt und der Umgebung, aber auch SchülerInnen des Waldorf-Lyzeums.

Übernachtet haben wir in Nova Ves im Haus des Schreinerkollektivs Tilia. Die Stiftung für Heimpädagogik hat seinerzeit diesem Projekt eine kräftige Starthilfe gewährt. Schön war das Zusammensein mit den vier Familien mit ihren Kindern in den sehr originellen Ausbauten ihrer Wohnungen. Eine eindrückliche Werkgemeinschaft!

Dann war ich in einer sechsten Klasse in der Prager-Waldorfschule Dedina. In dieser Klasse in engem Raum mit 30 Kindern, davon 19 Mädchen, wurde gerade die Völkerwanderung eingeführt. Mich beeindruckte die sehr kompetente Lehrerin, die die Klasse schon im 6. Jahr hat. Ihre souveräne Art zu unterrichten, ihre liebevolle Beziehung zu den Kindern war begeisternd. Die SchülerInnen zitierten lange tschechische Prosatexte, gestalteten mit Zeichnungen und Fäden schöne Geometriehefte. Ich erzählte ihnen noch etwas von Parzival.

Dann gab ich einem WaldorflehrerInnenseminar Freitag /Samstag einen Kurs über Parzival. Ich sang mit ihnen und sie zeichneten zum Schluss eine Szene aus dieser Geschichte.

Am Sonntag fuhren Kamila und ich wieder in den Norden nach Retoun. Auch dieser Ort konnte seinerzeit mit Hilfe vom Schlössli gekauft werden. Am nächsten Tag fuhren wir in die Waldorfschule Trebin. Diese Schule begleite ich seit ihrer Gründung als Mentor. Im Moment haben sie schon 4 Klassen. Man zeigte uns den Weiterausbau des ehemaligen Dorfschulhauses mit Kino. Dann fuhren wir nach Leitmeritz, wo ich KollegInnen und Eltern dieser Waldorfschule einen Kurs über die nordische Mythologie Edda gab. Am Schluss zeichneten sie die Weltenesche Yggdrasil. Anschliessend besuchten wir das Rathaus, worin gerade die Wanderausstellung „Hundert Jahre Waldorfschule“ gezeigt wurde. An der Eröffnung musizierten und sangen SchülerInnen der Waldorfschule Trebin.

Am Sonntagabend spät stieg ich in den Bus „Prag-Bern“. Und jetzt bin ich schon wieder einige Tage tief in den Aufgaben der „Stiftung Seiler“.

Seit einer Woche ist wunderbares Sonnenwetter. Heute sah ich viele Winterlinge, Krokusse und Schneeglöcklein. In gut einem Monat ist Tag- und Nachtgleiche. Am späteren Abend sieht man den Sirius und den Orion. Hoch oben bewegt sich der Löwe von Ost nach West. Am Morgen leuchtet im Osten die lichte Venus. Das Tag für Tag, Nacht für Nacht. Dazu erscheint der Mond: Von der Mondsichel bis zum Fast-Vollmond, gestern Nacht in höchster Höhe bei den Zwillingssternen. Morgen ist Vollmond.

Mich beeindrucken die seit Wochen anhaltenden SchülerInnen-Streiks. War auch schon an Demonstrationen. Ist es die lang ersehnte Graswurzel-Revolution? Dass diese Bewegung von einer Einzelpersönlichkeit ausging. von der heute 16jährigen Schwedin Greta Thunberg ist erstaunlich. Diese Bewegung hat schon bereits Bewegung unter den Parteien ausgelöst. Jetzt will auch die FdP grüner werden. Im Herbst sind Wahlen angesagt! Unser Julian ist in dieser Bewegung führend engagiert.

Im Schlössli etabliert Bao die Schreinerei neu. Eine Zweizimmerwohnung im Stöckli wird neu saniert. Kamila ist am Organisieren von etlichen Gruppen, die im Sommer das Schlössli besuchen kommen. Julian ist immer noch an der neuen Website. Die Landwirtschaftsgruppe kam schon mehrere Male zusammen. Darin gibt es Menschen, die das Jodelland konkret bebauen wollen.

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