Tagebuch #105

Klimastreik und Frühlingsblumen

Es ist heute Tag- und Nachtgleiche. Auf der ganzen Welt. Jeder und Jede hat den gleichlangen Tag. Die Schattenspitzen gehen exakt von Westen nach Osten. Auf dem Nordpol geht die Sonne auf. Ein halbes Jahr lang. Auf dem Südpol geht sie unter bis zum Herbst. Der Erdenregenbogen, gebildet aus dem Morgen- und Abendrot bewegt sich exakt vom Nord- und Südpol und trennt die Nacht von dem Tag  auf dem blauen Erdenplanet, in vierundzwanzig Stunden um die Erde. Dazu überall auf der Welt, am Morgen und am Abend, das intensivierte Vogelgezwitscher. Eine musikalisch-farbige Performanz von den Sternen aus gesehen. Oder damals von Gagarin.

Auf der Norderde antworten alle die Krokusse, Winterlinge, Osterglocken, all die Frühblütler den farbigen Sterne im All. Was für eine Frühlingskraft, hinaus aus der dunklen Erde, in das Sonnenlicht, zu den Sternen.

Ich war an dem Klimastreik in Bern. Auch hier die Kinder und Jugend zu Tausenden, wie Blumen fröhlich lachend, aber auch grimmig und wütend hinausschreiend. Die Graswurzelrevolution, die wir Achtundsechziger uns immer gewünscht haben, ist ausgebrochen. Auf der ganzen Welt. Wie ein Virus, ansteckend, sich vervielfachend. Welch eine Kraft, welch eine Wut, Welch eine Klarheit in der Sprache. Wir sagten damals: „Wer stehen weder rechts noch links. Wir gehen“. So muss es sein. Das Politikergeschwätz, das stets zwischen links und rechts laviert, überwindend, will die Jugend, dass sich etwas bewegt, dass endlich gehandelt wird und zwar sofort, subito. Will endlich den Respekt gegenüber der Natur.

Die Frühlingsblumen zeigen es: Trotz Morgenfrost zeigen sie ihre Lichtkleider. Wie unsere Jugend: Trotz den Betonköpfen in der Politik wird Unmögliches gefordert. Nur so wird etwas möglich. Die Stiftung Seiler ist dadurch mit diesem Klimastreik verbunden, weil Julian, ein Mitglied unseres Stiftungsrates, an leitender Stelle des Bernerstreiks ist.

Auch in der Stiftung blüht es weiter. Heute haben wir auf die Initiative von Dorothee auf dem Jodel das Hornmistpräparat zuerst eine Stunde lang in Wirbeln gerührt und dann auf dem Land zerstreut. Heute ist auch gerade Wurzeltag und besonders gut für eine solche biodynamische Heilmachung und Segnung der Erde. Auch die Sonne schien wunderbar, Und alle unsere Schlösslimenschen, auch Kinder, die dabei halfen, waren beeindruckt. Die Landwirtschaftsgruppe entwickelt dazu ein mögliches Projekt auf dem Jodel.

Das Schreinerkollektiv im Alemannenhof ist installiert. Sie renovierten im Burgunderhof eine Wohnung. Im Stöckli renoviert Bao geschickt seine Wohnung.  Im April soll im Bildhaueratelier im Bärwolfhaus durch Cornelia ein neuer Kunstort hergerichtet werden. Der Battenhof hat auf dem Jodel eine Schwitzhütte aufgebaut.

Die Stiftungsfinanzen sind auf Kurs. Immer wieder Anfragen für Wohnungen im Schlössli. Doch kaum wird eine frei, ist sie schon vergeben. 150 Menschen wohnen in unseren Häusern. Davon viele Kleinkinder. Also gibt es eine nachwachsende Generation auch im Schlössli. Wie Frühlingsblumen! Das macht mich froh.

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